Aus den Akten auf die Bühne

Kooperation mit der Universität Bremen

Historische Akten können eine trockene Angelegenheit sein. Doch dahinter verbergen sich oft bewegende menschliche Schicksale.
Erst in jüngerer Zeit wird das Theaterspielen als didaktisches Mittel der Aneignung und Auseinandersetzung mit Geschichte in Museen, Gedenkstätten und Archiven eingesetzt. In dieser Hinsicht hat das Bremer Projekt Aus den Akten auf die Bühne eine Vorreiterrolle im Umgang und in der Vermittlung von Geschichte mit theatralen Mitteln übernommen.

Unter dem Titel Aus den Akten auf die Bühne entstehen seit 2007 an der Universität Bremen Geschichts- und Theaterprojekte zu Themen aus der Vergangenheit der Hansestadt. Studierende des Instituts für Geschichtswissenschaft und Ensemblemitglieder der bremer shakespeare company entwickeln szenische Lesungen aus historischen Originaldokumenten, um sie der Öffentlichkeit lebendig und anschaulich zu vermitteln. Jede szenische Lesung ist das Ergebnis einer konstruktiven Kooperation von Studierenden und Schauspielern der bsc. Die Lesungen verlassen sich ganz auf die Aussagekraft der Dokumente und bringen die historischen Texte ohne ergänzende Erläuterungen, Kommentare und Interpretationen zum Sprechen. Wenn möglich finden die Lesungen an den historischen Originalschauplätzen statt.

Initiatorin dieses bundesweit einmaligen Projektes, das geschichtswissenschaftliche und dramaturgische Arbeit miteinander verbindet und einem breiten Publikum quellenbasierte Geschichtsforschung zugänglich macht, ist die Bremer Historikerin Dr. Eva Schöck-Quinteros.

Mehr Informationen unter: www.sprechende-akten.de

Preisgekröntes Projekt Im Jahr 2012 gehörte Aus den Akten auf die Bühne zu insgesamt sechs ausgezeichneten eines europaweiten Wettbewerbes. Die Jury des Wettbewerbs „EngageU! European Competition for Best Innovations in University Outreach and Public Engagement” der Universität Oxford hob hervor, dass „die Bremer Studierenden in hohem Ausmaß zu selbständiger Forschung motiviert und deren Ergebnisse von einem angesehenen Theater, der bremer shakespeare company, professionell inszeniert werden“, dafür erhielt das Projekt den Sonderpreis „Recognition of Distinction“. Den Wettbewerb hatte das von der Europäischen Union (EU) geförderte Projekt ULAB (European Laboratory for modelling the technical research University of tomorrow) ausgerichtet.


Szenische Lesungen mit der bremer shakespeare company/Kooperation mit der Universität Bremen


Die Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ) fördert das Projekt „Aus den Akten in die Schulen und in die außerschulische Bildungsarbeit mit Jugendlichen“ im Rahmen der Ausschreibung „Theaterprojekte mit Zeugnissen von Opfern des Nationalsozialimus“.
Das Projekt beinhaltet die Entwicklung von verschiednen Kurzfassungen der Lesung „Im Lager hat man auch mich zum Verbrecher gemacht – Margarete Ries: Vom ‚asozialen’ Häftling zum Kapo in Auschwitz“ und theaterpädagogische Workshops für Jugendliche.
Zum Programm gehören außerdem Schüler-Workshops, in denen sich die Jugendlichen anhand der Quellen mit Themen der Lesung (z.B. marginalisierte Häftlingsgruppen am Beispiel der „Asozialen“, Opfer-Täterproblematik am Beispiel der Funktionshäftlinge) auseinandersetzen. Diese Workshops leiten Eva Schöck-Quinteros und Anna Mamzer von der Universität Bremen.

Referenzen Workshops 2015:
Gymnasium am Markt in Achim (26. 6.)
Schule am Leibnizplatz (2.7.)
Gymnasium Horn (17. 7.)
Gymnsium Willms, Delmenhorst (25.9.)
LidiceHaus (6.11.)
Gymnasium Hamburgerstraße (19.11.)
Landesinstitut für Schule (20.11.)

Workshops in Planung 2016:
Alliiertenmuseum Berlin (29.2. öffentliche Abendveranstaltung / 1.3. Lesung und Workshops mit SchülerInnen)
Gedenkstätte Bernburg (Termin steht noch nicht fest)

Anfang Mai 2015 war die Lesung zum Fall Margarete Ries von der Bremischen Vertretung bei der EU in Brüssel eingeladen. Außerdem Lesung und entsprechende Workshops in der EuropaSchule Laeken und der Internationalen deutschen Schule in Brüssel. 2016 ist eine weitere Einladung in die Bremische Vertretung in Brüssel avisiert.