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Spielfassung: Matthias Schönsee u. Ensemble.
Regie: Matthias Schönsee.
Bühne/Kostüme: Heike Neugebauer.

Mit: Gunnar Haberland, Michael Meyer, Janina Zamani.

Werther verliebt sich rasend in Lotte, die mit Albert verlobt ist und ihn bald auch heiratet. Mit Albert ist Werther befreundet, Lotte ist ihm heilig, doch er kann und will nicht aufhören, von ihr zu träumen.
Die Inszenierung zeigt Werther, Lotte und Albert im Schmelztiegel ihrer widersprüchlichen Gefühle zwischen Leidenschaft und Pflichtbewusstsein, hochfliegenden Sehnsüchten und bodenständigen Lebensentwürfen und lotet das Ringen zwischen ihrem freien Willen und den Einschränkungen durch die gesellschaftlichen Normen aus.

Trailer


Pressestimmen

Die Pressekritiken zu „Die Leiden des jungen Werther“ waren extrem unterschiedlich. Um die gesamte Bandbreite der Meinungen abzubilden, stellen wir hier zu Anfang Auszüge der Extrempositionen gegenüber. Im Gesamtbild überwiegen dann aber die positiven Stimmen.

Illusionen über wahre, stürmische Liebe
Kann die Liebe ein Ausweg aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit sein? Werther, der Künstler, in seinem Gefühl maßlos, erliegt der Illusion, dass “Lottes Liebe ein Ort sei, an dem er unbeschwert und geborgen wäre. Aber er müsste zuerst frei sein, bevor er wirklich lieben könnte. Die Liebe eines unfreien Menschen ist in Wahrheit - Abhängigkeit, also Einschränkung”, (Mathias Schönsee). Einschränkung ist das, was Werther am meisten verhasst ist. Die tägliche Fron ökonomischer Zwänge, der sich Lottes Verlobter Albert als brave Beamtenseele beugt, ist ihm ein Greuel. Werther, der Künstler, versucht alle Ketten der gesellschaftlichen Konvention zu sprengen, indem er sich im Absolutheitsanspruch seines Gefühls verschwendet. Lotte wird zur Projektionsfläche seiner persönlichen Freiheit. Sie soll ihm den Weg aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit weisen.
Nun ist Gunnar Haberland in der Titelrolle weniger jener Gefühlsterrorist, als der Werther oft gescholten wurde. Er ist vielmehr in all’ seiner Verwundbarkeit und hohen Sensibilität ein homme fragile, dessen charmanter Spontaneität Lotte zeitweilig erliegt. Bis sie sich dann doch für das sichere Auskommen, das Albert (ein Ausbund an Korrektheit mit Vorliebe für Pantoffeln: Michael Meyer) ihr bieten kann, entscheidet. Janina Zamani setzt sich als Lotte in einem Anflug von Ironie mit der Rolle des Hausmütterchens auseinander, der sie nicht entrinnen können wird. Ist sie doch eher die Burschikose, die in kleinen Raufereien das verräterische Spiel von Nähe und Distanz virtuos beherrscht und Werther dabei nie zu nah an sich herankommen lässt.
Weserkurier


Selbstmord für ein Rumpelstilzchen
Gunnar Haberland zeigt den Träumer und Schwärmer als schnöseligen Außenseiter, der in seiner Studentenbude einsam Selbstgespräche führt. „Bessern“ wolle er sich, ruft Werther ins leere Zimmer hinein. Plötzlich steht da jemand in der Tür: Ist das etwa ein echter Mensch? Einer von der Sorte, die man immer auf den Internet-Plattformen zu sehen bekommt? Natürlich nicht. Es ist lediglich eine Theaterfigur: der traurige Versuch, Werthers Lotte in ironischer Brechung bildhaft werden zu lassen.
Aus unerfindlichen Gründen verfällt Werther diesem weiblichen Clown mit Haut und Haaren, lässt sich auf ein albernes Tänzchen ein und spielt mit ihm Foto shooting. In das Kasperletheater platzt unvermittelt ein Waldschrat herein: Albert, der in Förstergrün gekleidete Verlobte Lottes, Obwohl der Waldschrat ihm den geliebten Clown entführt hat, schließt der Internet-Werther mit ihm Freundschaft. Bald will er aber doch lieber abreisen, weil er nicht mit ansehen mag, wie das Brautpaar die Ringe tauscht – pardon: die karierten Hausschuhe.
Irgendwann beschließt Werther, sein Leben zu beenden. „Lotte, ich will sterben“, säuselt er lächelnd.
Gunnar Haberland wiederum nimmt seine Figur beim Wort. Heißt es nicht in seinem Abschiedsbrief, Werther habe sich in seinen letzten Stunden „gelassen“ und frei von „romantischer Überspannung“ gefühlt? Es passt einfach nichts zusammen in dieser Inszenierung. Werther nicht zu Lotte, die Liebe nicht zum Laptop. Und schon gar nicht: der Selbstmord zum Klamauk.
Kreiszeitung


Eine bewegende Premiere. Zermürbend, ergreifend und zeitlos ist die Inszenierung von Mathias Schönsee. Authentisch und erschreckend fühlbar Werthers Liebesschmerz. Inmitten dieser bleiernen Stare schaffte das Darsteller-Trio dennoch, ab und zu Komik entstehen zu lassen. „Schuld“ daran ist die belebende Farbigkeit, die typisch für die bsc ist. Zwei Stunden anspruchsvolle Theater, in denen es ernster und düsterer zugeht als bei Master Shakespeare.
Weser-Report


Regisseur Mathias Schönsee, der auch die Textfassung für diese Bremer Inszenierung schrieb, hat aus dem Briefroman ein frisches, modernes Stück mit viel Tempo geformt. Er hat eine gute Textauswahl getroffen, die neben der Beziehungskiste der drei Personen auch die sozialen und politischen Aspekte dieses Werkes berücksichtigt. Die drei Schauspieler agieren mit großer Spielfreude und Intensität, ihr ungenierter Umgang mit ihren Gefühlen wäre wohl auch für Goethe selbst eine Freude gewesen. Da wird getanzt, gelacht und geflirtet, das die weißen Teppichfetzen fliegen. Zudem verblüfft die Inszenierung immer wieder mit anrührenden und überraschenden Bildern. Es ist eine riskante Gratwanderung zwischen Drama und Klamauk, die jedoch gelungen ist. Das Premierenpublikum bedankte sich für die zwei kurzweiligen, berührenden Stunden mit langem Applaus.
Nordwestradio


Eine wunderbare Inszenierung des „Werther“!
Eine tolle Regie- und Schauspielerleistung. Auch das Bühnenbild und die Kostüme waren Klasse. Habe gleich den „Werther“ aus meiner Goethesammlung geholt und wieder gelesen. Ich werde das Stück weiterempfehlen.
Ein begeisterter Zuschauerbrief an die bsc


Mein Mann und ich waren von dem Theaterstück ergriffen, begeistert, fasziniert, gerührt, überrascht, sogar erheitert, ….
Ausgezeichnete Regie, bemerkenswerte schauspielerische Leistungen, sinnige, ästhetisch schlüssige Ausstattung. Ich kann über den Werther nur in Superlativen sprechen.
Wenn man bedenkt, dass es ein Briefroman ist! Was hat die Shakespeare Company daraus für eine Dramatik gewinnen können, welch interessante Bilder haben Sie ausgedacht (zum Beispiel die Filzpantoffeln als kleinbürgerliche Ehe-Fußfesseln)!
Man fühlt sich nach solch einem Theatererlebnis richtig erfrischt._

Liebe Grüße, Ihre
Karla Götz
Pressereferentin der Senatorin für Bildung und Wissenschaft