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Zum Stück

Deutsche Übersetzung: Günter Neumann
Spielfassung: Mathias Schönsee und bremer shakespeare company
Regie: Mathias Schönsee
Bühne: Heike Neugebauer
Kostüme: Uschi Leinhäuser
Musik: Mark Chaet (Musikalische Leitung, Violine), Giorgio Radoja (Piano), Michael Joch (Schlagzeug), Bartek Mlejnek (Kontrabass)
Choreographie: Christine Stehno
Regieassistenz: Julia Krüger, Monja Meißner

Mit: Christian Bergmann, Tobias Dürr, Gunnar Haberland, Tim D. Lee, Peter Lüchinger, Michael Meyer, Svea Meiken Auerbach, Beate Weidenhammer, Janina Zamani.

Zum Inhalt:

Eine Theatertruppe studiert das Shakespeare-Stücks „Der Widerspenstigen Zähmung“ ein. Der Regisseur, Fred Graham, hat sich selbst mit der männlichen Hauptrolle, Petrucchio, besetzt. Für die weibliche Hauptrolle der widerspenstigen Katharina, hat er seine Ex-Frau Lilli Vanessi engagiert. Lilli ist mittlerweile mit einem reichen Gönner verlobt und Fred hat eine Affäre mit dem Starlet Lois Lane, der er die Rolle der Bianca zugeschanzt hat. Ziemlich schnell wird jedoch klar, dass es zwischen Fred und Lilli nach wie vor knistert.
Ein Blumenstrauß, den Fred an Lois sendet, jedoch irrtümlich bei Lilli landet, sorgt für einen Eklat: Lilli, beißt, tritt und ohrfeigt Fred vor Zorn, der sie schließlich im Gegenzug mitten auf der Bühne übers Knie legt.
Nach dieser Demütigung will Lilli aus den Proben aussteigen und bittet ihren Verlobten telefonisch, sie abzuholen. Da kommen Fred unerwartet zwei Gangster zu Hilfe: Bill Calhoun, der Darsteller des „Lucentio“ und außerdem Lois’ Freund hat beim Glücksspiel einen Schuldschein mit Freds Namen unterschrieben. Fred gibt vor, den Schuldschein tatsächlich selbst unterzeichnet zu haben, und behauptet, er könne die Schulden nur begleichen, wenn die Gangster Lilli davon abhalten würden, das Ensemble vorzeitig zu verlassen. Der Plan scheint aufzugehen - Lilli muss weiterspielen.
Vor der Schlussszene von „Der Widerspenstigen Zähmung“ erfahren die Gangster jedoch, dass ihr Auftraggeber liquidiert wurde, und lassen Lilli deshalb mit ihrem Verlobten aus dem Theater entwischen. Zu Freds freudiger Überraschung erscheint Lilli zu guter Letzt dennoch wieder auf der Bühne - sie hat sich offensichtlich trotz allem für ihn und für die Bühne entschieden.

Die Inszenierung:

Die bremer shakespeare company bringt den Musicalbühnen-Klassiker in einer typischen Umsetzung: ein bisschen rau, aber lustvoll gespielt und gesungen.
Jenseits aller Boulevard-Oberflächlichkeit lässt die Inszenierung auch die tragische Dimension der Figuren hinter ihrer Komik aufleuchten und hält das Stück in der Schwebe zwischen wortwitzigen Dialogen und musikseliger Romantik.
Heimatlose Künstler, die manchmal am Rand der Verzweiflung auf die ganz große Karriere hoffen: auf den Urknall des Erfolgs, der ihre unbeachtete Existenz in einen glamourösen Sternenglanz verwandelt. Auf der Bühne beginnen diese Schauspieler und Sänger zu strahlen, zu leuchten, zu leben. Und die Liebe für einander ist immer auch die Liebe zum Theater. Man leidet aneinander und kann doch ohne einander nicht leben.
Die exquisite 4-Mann-Band interpretiert die Ohrwürmer Cole Porters mit der rauen Emotionalität des Jazz. Die Band verfolgt einen eigenen Stil der in keine Schublade passt: mit osteuropäischen Wurzeln, und poppigen Arrangements: temperamentvoll und melancholisch zugleich, mit Leidenschaft und komödiantischer Leichtigkeit.

Trailer


Pressestimmen

Die Bremer Shakespeare Company hat sich zum Start in ihre Jubiläumssaison mit diesem prallen Stück Musiktheater auf dem Theater in einer ganz eigenen, ja eigensinnigen Version des Cole Porter-Musicals selbst beschenkt. Die Dialog-Texte hat Regisseur Mathias Schönsee fast komplett auf unsere Zeit umgemünzt Gemeinsam mit der vierköpfigen Band “Trio Bravo” kratzt er am allzu gelackten Zuckerguss der Broadway-Patina. Gemessen daran, dass hier keine Musicalprofis auf der Bühne stehen, wird äußerst beachtlich getanzt und gesungen. Der Regisseur hat den beiden Ganoven scharf gewürzte Kapitalismuskritik in den Mund gelegt und ihre bewusst mit unbeholfener Drolerie choreografierte Nummer “Schlag’ nach bei Shakespeare” ist einer der Reißer des Abends.
Schönsee geht übrigens mit der Kommentierung tagesaktueller Ereignisse zurück zu den Wurzeln der Company: Abgefahrenes Volkstheater, mit Elementen aus Punk und Commedia dell’arte aufgemischt, Eine amüsante Arbeit mit Seitenhieben auf das Regietheater. Sie steckt voller Ideen, will nur manchmal gerade in puncto politischer Korrektheit etwas zu viel.
Weserkurier

Sie können nicht wirklich singen. Könnte man sagen. Die meisten im Ensemble der Bremer Shakespeare Company (BSC) wenigstens. Man könnte aber auch sagen: Das darf, muss womöglich sogar so sein, nicht nur weil “Kiss me, Kate” eine etwas schmierige, nun ja, eben sehr boulevardeske Komödie ist. Sondern auch, weil es zugleich eine Parodie auf den Theaterbetrieb, die Perfektion seiner Inszenierung ist.
Sie beschreibt vielleicht auch die heutige Lage der BSC. “Wir haben nur die Wahl zwischen bürgerlicher Moral und ewigem Pubertieren”, heißt es an einer Stelle. Zum einen pflegt die BSC ihre Tradition der kollektiven Selbstverwaltung, der Auflehnung gegen die Konventionen des bürgerlichen Stadttheaters, nicht zu vergessen ihre mit der Friedensbewegung, den Alt-68ern verknüpfte Gründungsgeschichte.
Andererseits entwickelt sie sich nachhaltig weg vom “alternativen Theater”. Und die Tradition bringt gewisse, mitunter langjährig gepflegte Erwartungen mit, z.B. das eherne Prinzip des Rollenwechsels. Und doch wird dieses gerade in “Kiss me, Kate” auch mal liebenswert selbstironisch gebrochen und auf spielerische Weise reflektiert. Etwa dort, wo drei - oder sind es vier? - DienerInnen zugleich auftreten, verkörpert von einem wandlungsfähigen und spielfreudigen Tobias Dürr, der alles in allem sechs Rollen zu erfüllen hat. Zugleich ist “Kiss me, Kate” eine bisweilen etwas absurde und trubelige, mitunter witzige Komödie mit musikalischen Sprengseln und integriertem Making-of. Eine, die immer wieder von Szenenapplaus begleitet wird, im getreuen Publikum manchen Schenkelklopfer hervorruft, aber zugleich der latenten Gefahr von allzu viel Kitsch entgeht. Von der 40er-Jahre Szenerie, der das Originalwerk entstammt, hat sich Schönsees Arbeit emanzipiert.
taz

Am Premierenabend hatte das sehr unterschiedlich zusammengesetzte Publikum nur eines gemeinsam: Bewunderung für das Ensemble und Begeisterung für das Gesehene.
Regisseur Mathias Schönsee nutzte den Interpretationsspielraum des Musical-Klassikers für die verspielte Bremer Shakespeare Company und inszenierte Komik und Ironie nicht scheuend, das Theater selbst. Der mal vor, mal hinter die Bühne mitgenommene Zuschauer konnte sich schnell mit den Charakteren identifizieren. Präsentiert wurde eine sehr ausgewogen Mischung aus Theater und Musical, Tragödie und Komödie, mit den typischen Elementen unserer Shakespeare Company. Die gelungenen musikalischen Einlagen wirkten wie eine Mischung aus nostalgischen Porter-Klängen und moderner Ska-Musik. „Kiss me, Kate!“ in der Umsetzung der Bremer Shakespeare Company ist eine sehr gelungene Inszenierung, das vieles wagt und dadurch gewinnt. Die Adaption in die Gegenwart macht es zuschauernah und das vielschichtige Mosaik, steigert die Spannung und macht es kurzweilig.
Kulturlabskaus

„Kiss me, Kate“ überrascht mit köstlich-witzigen Einlagen, die das Publikum immer wieder zu Lachsalven reizen, mit Anspielungen auf die company selbst und den gekonnt umgesetzten Anspruch, sich selbst nicht ernst zu nehmen. Und zwar ohne dabei ins Alberne abzurutschen. Da geben die Schauspieler beispielsweise mit einer Inbrunst die Songs von Cole Porter wieder, die auch das Fehlen sängerischen Talents irrelevant macht. Das wirkt nicht peinlich, sondern – ganz im Gegenteil – ungezwungen und lustig. Genauso wie das bewusst übertriebene Gebaren der schauspielernden Schauspieler, das mitunter ins Ernste kippt, weil sich die Handlungsstränge des Stückes im Stück miteinander verweben. Dieses Wechselspiel bringt die „company“ mit einem komödiantischen Anspruch und einer Leichtigkeit rüber, dass es eine Freude ist. Ein weiterer Pluspunkt: die Gaudi, die die Akteure ganz offenbar beim Spielen des Stücks haben.
Weser-Report