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Eine Produktion des Theater Pschyrembel - Theater mit Menschen mit Behinderungen

Regie: Rudolf Höhn.

Mit: Christian Aumer, Ria Burghardt, Volker Heemsath, Manni Laudenbach, Martina Reicksmann, Klaus Schmöcker, Nadine Urbons.

Also wie oder was! Schwarz oder weiß, richtig oder falsch, gut oder böse, gesund oder krank! Tritt der Abgang auf oder geht der Auftritt ab? Und wenn ja, ist da überhaupt etwas dazwischen? Das Leben ist schließlich keine Wurst. Bei der Wurst kommt’s darauf an, dass da etwas dazwischen ist, zwischen den Enden. Aber sonst?!
Schließlich braucht noch das kleinste bisschen Seele ein bisschen was fürs Herz, z. B. Gebrüder Gümplis Originaljahrmarktsdrehorgelmusik. Die hilft zwar genau so wenig gegen Greisenzittern wie Prompterlan gegen Wundfraß - aber sie kostet nichts und macht keinen Abfall.
Oder sollte man nicht doch lieber dreimal täglich vor jeder Mahlzeit einen ordentlichen Suppenlöffel voll geriebenem Krötenschlund nehmen? Aber wenn ein gesunder Reicher arm und krank wird davon, und ein armer Kranker nicht reich und gesund? Und wenn wir schon dabei sind: wo fangen die Gebührenverordnungen an, und hören die Steuergesetze auf, oder umgekehrt?
Mancher geht gesund zum Arzt und kommt krank zurück. Und überhaupt, was ist mit Gen-Mais? Könnte man nicht wenigstens bei der Zubereitung von Henkersmahlzeiten darauf zurückgreifen?
Fragen über Fragen - aber ein Gedanke macht nicht satt, drum hat’s gar keinen Sinn, da länger drüber nachzuhirnen…

Mehr dazu als Audio-Datei aus der Reihe Tagwerk ­- ein Kulturjournal der manchmal etwas anderen Art

„PSCHYREMBEL - Das klinische Wörterbuch“: ist dem Mediziner das, was dem Deutschlehrer der Duden ist. - Unter der Initiative von Rudolf Höhn, ehemals Mitglied der bremer shakespeare company, hat sich die Gruppe Pschyrembel im Jahre 2001 zusammengefunden. In dieser Einrichtung der bremer shakespeare company spielen ausschließlich körperlich Behinderte. Die Gruppe legt Wert darauf, dass bei ihrem Tun das Theaterspiel im Mittelpunkt steht und nicht die Behinderungen der Mitwirkenden. Der Zuschauer soll aus Interesse an ihrem Theater kommen und nicht aus Mitleid oder Solidarität.


Die körperlich behinderten Schauspieler des Theaters Pschyrembel rücken mit dieser Inszenierung erstmals eine Geschichte in den Vordergrund, der ihre körperlichen Gebrechen keine große rolle spielen. Hier steht die Geschichte der kleinen Meret im Vordergrund – hervorragend beklemmend und nicht ohne Humor – dargeboten.
Weser-Report

Die Bühne habe keineswegs primär eine Therapiefunktion für die Teilnehmenden, sagt Höhn. Das Wichtigste sei, gutes Theater zu machen. Dennoch ist die Behinderung indirekt ein Thema des neuen Stücks. „Meret ist eine Außenseiterin“, sagt Höhn, „genau wie Behinderte Außenseiter sind.“
Allerdings gehe es nicht in erster Linie um Meret, sondern um die Gesellschaft, in der sie lebt. Der grausame Pfarrer, der wissenschaftsgläubige Doktor, die tratschenden Bauernweiber – sie bilden die Kulisse für Merets Leben und machen sie zu dem, was sie ist: eine Fremde. Und dass Fremde nicht hierher gehören, sondern eben in die Fremde, darüber sind sich der Totengräber (Martina Reicksmann) und sein Gesprächspartner Nasrott (Volker Heemsath) vollkommen einig.
Wo aber hört die Fremde auf und fängt die Heimat an? Wo ist die Grenze, von der ab ein Fremder zum Einheimischen wird und Einheimischer zum Fremden? Diese Frage können Nasrott und der Totengräber nicht abschließend klären.
Weser-Kurier

Klares Lob gebührt den Darstellern des Abends. Christian Aumer ergänzt das Ensemble in der Rolle des strengen Pfarrers perfide perfekt. Nadine Urbons als Meret hätte man noch mehr Spiel gegönnt. Anders bei der fantastischen Martina Reicksmann: Den hemdsärmeligen Henker mit seiner schlichten Wahrheit ist ein Charakter, den sie hervorragend gibt. Klaus Schmöcker überzeugt als Gottfried Keller und banaler Künstler Belluno.
Kreiszeitung

„Meret oder die Farbe der Blässe ist ein anrührendes und wunderschönes Plädoyer für die Vielfalt menschlicher Existenz. Die Schauspieler überspielen ihre Handicaps mit Leidenschaft und Engagement. Besonders beeindruckend ist der auftritt von Martina Reicksmann als Henker und Volker Heemsath als Nasrott. Reicksmann ist praktisch blind, Heemsath bewegt sich mühsam auf Krücken über die Bühne. Und dennoch sind die beiden das Herzstück der Inszenierung.
Bremer Anzeiger