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Zum Stück

1:30 ohne Pause

Regie: Frank Auerbach.
Musik: Florian Oberlechner.
Bühne, Kostüme: Melanie Kuhl.
Songtexte: Frank Auerbach.
Mit: Tim D. Lee, Michael Meyer.

Schwarzhumorige Gangsterballade bei der William Shakepeare und Quentin Tarantino Pate standen: Richard III will seinen Bruder Clarence loswerden. Dafür heuert er zwei „Experten“ an - skrupellose Killer, denkt er. Doch die beiden sind gedanklich viel mehr mit ihrer Musikband beschäftigt, für deren Erhalt sie buchstäblich über Leichen gehen. Der Auftrag, der sie eigentlich finanziell sanieren sollte, stürzt sie unerwartet in eine Sinnkrise, die ebenso gnadenlos wortreich wie intelligent erschreckend verhandelt wird Wie bei Shakespeare entspannt sich zwischen ihnen ein Disput: Wie und wann und warum überhaupt gemordet werden soll oder doch besser nicht.
John von Düffels Figuren erinnern an Wladimir und Estragon aus Becketts “Warten auf Godot”.
Frank Auerbach hat für die Band die schräg-abgründigen Texte geschrieben.


Pressestimmen

Die Bremer Shakespeare Company rockt die Bühne mit einer tragischen Musiktheater-Komödie. Dort, wo das Publikum sonst Konzerten (im Kulturzentrum Lagerhaus, Anm. d. Red.) lauscht, bekam es am Mittwoch eine doppelte Portion Unterhaltung geboten: Konzerterlebnis und Theaterstück. Regisseur Frank Auerbach lässt seine Helden in Unterhosen ähnlich wie die Antihelden in Samuel Becketts Stück „Warten auf Godot“ agieren, nur weniger lethargisch. Das Killerduo windet sich grazil und mit viel Wortwitz um die Vollstreckung. Die Dialoge in Zungenbrecherqualität sind preisverdächtig. Ebenso die originellen Ausreden. Langweilig wird dem Publikum und den Killern nicht. Denn wenn diese schon keiner Fliege etwas zuleide tun können; im Zeittotschlagen sind sie spitze. Das passiert nicht nur wortgewaltig, sondern auch musikalisch. In den Songs schwingt Nostalgie und Dramatik mit. Das Stück ist ein kurzweiliges, theatrales Konzerterlebnis, in dem das Publikum neben Lebensphilosophien auch Dutzende Gründe mit auf dem Weg bekommt, weshalb es nicht töten soll.
Bremer Anzeiger


Ein ebenso rockiger wie kurzweiliger Gangsterabend. ?John von Düffels 1997 erschienene absurde Kurzkomödie hat weder Angst vor Gangster-Klischees noch vor derben Kalauern. Und das, obwohl, oder gerade weil sich sein Stück auf einen Shakespeare-Klassiker stützt, nämlich auf „Richard III.“ Stilistisch vermischt er (John von Düffel. Anm. d. Red.) dabei den Klassiker mit Elementen der Ästhetik des Gangster-Kultfilms „Pulp Fiction“ (1994) von Quentin Tarantino, wobei er Zeiten und Genres kräftig durcheinander würfelt. Frank Auerbach baut in seiner gut 80-minütigen, kurzweiligen Inszenierung auf den unanstrengenden Sprachwitz des Stückes, auf die Kraft der Musik und den alten „Komödientrick“ der möglichst großen Unterschiedlichkeit eines Komikerpaares. Die Musik, an der übrigens auch die beiden Schauspieler sowie der Regisseur mitgewirkt haben, macht nicht nur dem Premierenpublikum viel Spaß. „Shakespeare, Mörder, Pulp und Fiktion“ ist ein amüsanter und unterhaltsamer Theaterabend mit fetziger Musik. So trägt diese unanstrengende Inszenierung keine besonderen Botschaften, außer vielleicht unter aller Leichtigkeit die schlichte Erkenntnis: Die Großen planen große Taten. Die Hände sollen sich die Kleinen schmutzig machen.
Diabolo


Augen auf bei der Berufswahl. Der gern zitierte Spruch passt auch bestens auf die zwei Gestalten, die dem Publikum im Kulturzentrum Lagerhaus ihr Leid klagen. Pulp (Michael Meyer) und Fiktion (Tim D. Lee), zwei nur scheinbar skrupellose Auftragskiller. Pulp und Fiktion sind in der Weiterspinnung des Stoffes und in Anlehnung an Quentin Tarantinos Gangsterepos „Pulp Fiction“ die zwei Henkersknechte, die sich damals bei Shakespeare und auch noch heute über Recht und Gerechtigkeit, Volk und hohe Herren, Freund und Feind, töten oder leben lassen im wortwitzreichen Disput aneinander reiben. Das ist über weite Strecken temporeiches und durchaus intelligent konstruiertes Spiel mit etlichem Witz. In dieser absurden Krimischau verschmelzen Shakespeares Antihelden und Tarantinos Killer aus „Pulp Fiction“ zu einer amorphen Masse, Richard III. als unumstößliche machthungrige Instanz kommt als Stimme aus dem Off. Frank Auerbach hat Von Düffels Werk für die bremer shakespeare company um einige bissige Punk-Rock-Lieder erweitert. Das ist zwar melancholisch, sarkastisch und auch durchaus böswillig, aber ebenso viel Lärm um Nichts. Es passt zum Stil der bremer shakespeare company, die gern mit Musik in ihren Stücken arbeitet und spricht so gesehen für Konsequenz in der Spielweise. Am Ende steht ein schräger Abend mit noch schrägeren Typen. Viel Applaus.
Kreiszeitung