Doktor Faustus

von Christopher Marlowe. Eine clowneske Tragödie mit Musik.

Übersetzung: Rainer Iwersen.
Regie: Johanna Schall.
Dramaturgie: Grit van Dyk.
Bühne, Kostüme: Heike Neugebauer.
Musik: Maria Hinze.

Mit: Tobias Dürr, Peter Lüchinger, Theresa Rose, Erik Roßbander, Petra-Janina Schultz, Markus Seuß.

Faustus will ALLES, geht einen Pakt mit dem Teufel ein und bekommt ALLES erdenklich Mögliche: Wissen, Macht, Reichtum, Ruhm, im Tausch für seine Seele - an deren Existenz er ohnehin nicht glaubt.
Ein Clownstrupp, der bessere Zeiten gesehen hat, präsentiert dieses Stück von Shakespeares Zeitgenossen Christopher Marlowe, wild und scharf wechselnd zwischen mittelalterlichem Bilderbogen, Rüpelszenen, poetischen Monologen und glasklar und psychologisch überraschenden Dialogen.
Das 1589 uraufgeführtes Werk zeigt uns einen hoffnungstaumelnden Menschen, auf der Suche nach einer neuen Moral, einer neuen Lust, einem neuen Sinn. Nur warum sagt der Teufel immer wieder: „Wo wir sind, ist die Hölle“?

Trailer


Pressestimmen

Das Böse kann so sexy sein
Publikum feiert neues Stück der Shakespeare Company: Doktor Faustus nach Marlowe
Bildgewaltig, mitreißend, erschreckend – es gibt viele Begriffe um das neue Stück der Shakespeare Company Bremen zu umschreiben. Doktor Faustus ist ein Fest für Theaterliebhaber.

Die Geschichte von Faust und seinem Pakt mit dem Teufel dürfte vielen bekannt sein. Die Regisseurin Johanna Schall, das Ensemble der Shakespare Company und die Gastmusikerin Maria Hinze haben es trotzdem geschafft, der Geschichte (in diesem Fall nach einer Fassung von Christopher Marlowe) ganz neue Facetten zu entlocken.
Mephistopheles (grandios gespielt von Petra-Janina Schultz) wirkt nicht als das durchweg böse, mit unfairen Mitteln verführende Wesen, sondern wie ein leibhaftiges Spiegelbild der im Menschen verborgenen Wünsche und Träume, die wohl jeder mal hat, aber nie auszusprechen wagt. Geschickt wählt die Regisseurin ein Mittel des Theaters, um dem Stück mehr Tiefe zu geben: das Spiel im Spiel. Hier dargestellt von einer Truppe Clowns, die Faust aufführen. Man kann es nicht anders sagen, jedes Ensemblemitglied füllt seine Rolle gekonnt und leidenschaftlich aus, das Publikum spürt wie die Protagonisten fühlen, lieben und leiden, hassen und trauern. Doch sie alle wären nichts ohne Maria Hinze. Wie eine Art Moderatorin führt sie das Publikum mit Musik und Geräuschen durch das Stück. Ein großes Lob muss man auch Heike Neugebauer für ihr Bühnen und Kostümbild und ihren Kollegen für die Ausstattung der Gewänder aussprechen. Erst durch diese vielen kleinen Mosaike kommt das Gesamtkunstwerk zustande, das der Shakespeare Company mit Doktor Faustus gelungen ist. Da kann man auch über kleine Irritationen wie das unnötige Abgleiten in die englische Sprache und den für die Geschichte unerheblichen Krawall zu Beginn hinwegsehen.

Delme-Report, Sonntag, 18. Oktober 2015. Von Britta Suhren


Christopher Marlowes „Doktor Faustus“ an der Bremer Shakespeare Company
Ohne Pudel und Gretchen
Bremen - Von Andreas Schnell.

Dem großen Regisseur Peter Zadek soll es einst geschienen haben, das deutsche Theater stamme von der Universität ab, nicht vom Zirkus, wie das englische. Vielleicht mag es auch deshalb dem deutschen stadttheatergeschulten Besucher ein wenig ein Kulturschock sein, Johanna Schalls „Faustus“ im Theater am Leibnizplatz zu sehen. Nicht, weil Schall als deutsche Regisseurin hier ein universitäres Theater auf die Bühne brächte. Ganz im Gegenteil verweist sie ganz ausdrücklich und mit viel Freude an Zoten, Albernheiten, Travestie und Clownerie auf jenes englische Theater, das der ewige Shakespeare-Verehrer Zadek gemeint haben müsste.

Christopher Marlowe, Zeitgenosse Shakespeares (und einer kühnen These zufolge verleugneter Autor von dessen Werken), griff die Geschichte des Doktor Faust nicht als Erster auf, aber anders als seine Vorgänger erkennt er in dem faustischen Prinzip weniger ein moralisch zu verdammendes, blasphemisches Allmachtsstreben, sondern feiert das freie Individuum, das sich über mittelalterliche Konzepte von Gott und Schöpfung hinwegsetzt. Der immanente Widerspruch: Er holt sich zur Hilfe den Teufel selbst, der bekanntlich ohne Gott nicht zu denken ist. Wobei derlei Sophistereien an diesem Abend schneller vergessen sind, als man sie begonnen hat.
Es scheint vielmehr eine Art historisch informierter Aufführungspraxis die Leitlinie des Abends zu sein, den das Ensemble der Bremer Shakespeare Company mit der Gastmusikerin Maria Hinze aufführt. Episodenhaft erzählt der von Rainer Iwersen für die Bremer Fassung neu übersetzte „Faustus“ die Geschichte des maßlos wünschenden Universalgelehrten zwischen einer roh zusammengzimmerten Jahrmarktsbühne mit aufgepfropfter Projektionsleinwand, einem Fahrrad ohne Räder, Bücherstapeln und Hinzes Instrumentarium, das die Musikerin benutzt, um die Slapstick-Szenen punktgenau mit entsprechenden Furzgeräuschen und anderem Jux zu versehen.
Inmitten dieses Ambientes spielt die Geschichte von Doktor Faust. Der ist hier ein alerter Mann mit Ambitionen, sehr ordentlich gespielt von Markus Seuß, während Petra-Janina Schultz‘ Mephisto die Erotik der Macht mit Korsett und Strumpfhaltern ganz buchstäblich verkörpert. Schultz ist mit viel Witz bei der Sache und erweist sich einmal mehr als Aktivposten im Ensemble. Aufgebrochen wird die Faust-Geschichte regelmäßig von einer Clownstruppe, die den von der Shakespeare-Company durchaus bekannten Humor zum Exzess strapaziert, der in einem Bananenmassaker vor der Pause und einer deftigen Vatikan-Szene kulminiert.
„Historisch informiert“ bedeutet allerdings keinesfalls historisch: Es wird schon zu Beginn die Sehnsucht nach den Zeiten des Clowns artikuliert, von Tobias Dürr mit geradezu zartem Falsett durch einen Trichter gesungen, begleitet von Theresa Rose am Akkordeon. Ein fragiler Moment mit nostalgischem Charme, der zu den reizvollen Miniaturen gehört, mit denen die Shakespeare Company auch noch den klamaukigsten Abend verzieren. Während die turbulenten Szenen zwar oft durch überbordende Spielfreude gekennzeichnet sind, in denen aber nicht selten der Text unter die Räder kommt. Vor allem Erik Roßbander und Peter Lüchinger, der sich durchgängig nur pfeifend äußert, gelingt es als skurrilem Pärchen, hier schöne Momente herauszuspielen.
Allzu historisch verhält es sich auch in Rainer Iwersens Übersetzung beziehungsweise Johanna Schalls Spielfassung nicht. Zwar gibt es weder Pudel noch Gretchen, aber Goethe ist zitathaft zu hören, ein schwuler Hitler, Einstein und die Quantenphysik kommen vor. Was einem halbwegs allwissenden Mephisto heute natürlich auch gut zu Gesicht steht.
Dieser Bremer „Faustus“ ist damit in mehrerlei Hinsicht eine kleine Zeitreise, die auch zu den ästhetischen Wurzeln der Shakespeare Company führt. Der Charakter einer Nummernrevue, der in Marlowes Tragödie angelegt ist, kommt der hier gepflegten Spielkultur entgegen, offenbart aber auch deren Schwächen. Zwar gelingt beispielsweise Fausts Lebenslauf in Chorfassung am Anfang noch gut einstudiert, während ein später Choreinsatz arg zerfleddert wirkt wie auch einige andere Szenen, und es ist nicht immer ganz klar, wann oder ob überhaupt das womöglich Absicht ist.
Dem Premierenpublikum war‘s dennoch ein Vergnügen – wer die Company gerade für das Derbe schätzt, bekommt hier viel geboten. Derweil ungeklärt bleiben muss, was Zadek wohl davon gehalten hätte.

Kreiszeitung


Tanz den Adolf Hitler
Die Shakespeare Company zeigt Christopher Marlowes „Doktor Faustus“ als derbe Klamotte
VON IRIS HETSCHER
Bremen

Adolf Hitler trägt eine schwarze Korsage und Strapse; er windet sich in beeindruckend athletischen Bewegungen um eine Pole-Dance-Stange. Selbstredend ist der Diktator, der in diesem Aufzug auch in der „Rocky Horror Show“ auftreten könnte, schwul und leidet darunter, dass sein rechter Arm beim nach ihm benannten Gruß nicht so recht will wie er. Dschingis Khan ist auch mit von der Partie. Kaum ist für ihn der rote Vorhang weggezogen, wirft er flugs seinen Umhang ab und singt und tanzt – richtig geraten! – den 70er-Jahre-Disco-Kracher „Dschingis Khan“. Und dann sind da noch die sieben Todsünden, die höllisch aufpassen müssen, um nicht auf den vielen Bananenschalen auszurutschen, die auf dem Bühnenboden verteilt worden sind. Auch hier darf der Gag der Gags in Sachen Bananen nicht fehlen: Die Frucht als Phallussymbol. „Stößchen!“ tönt es dazu wiederholt aus den Mündern des Ensembles, damit das wirklich jeder versteht. Und, ja: Höllenfürst Luzifer stimmt irgendwann „Sympathy for the devil“ von den Rolling Stones an. Auweia.
Das sind vier exemplarische Szenen der Inszenierung von „Doktor Faustus“, die die Brecht-Enkelin Johanna Schall für die Bremer Shakespeare Company eingerichtet hat und die am Freitagabend Premiere feierte. Schall hat sich dafür entschieden, aus dem 1589 vom Shakespeare-Zeitgenossen Christopher Marlowe verfassten Stück eine grelle Klamotte zu zimmern, bei der wenige Atempausen bleiben, in denen es um so etwas wie den tieferen Sinn der viel bearbeiteten „Historia von D. Johann Fausten“ geht. So lautet der Titel der deutschen Vorlage, die später Goethe zu seiner überlebensgroßen Tragödie inspirierte.
Das Tragische an der Inszenierung von Johanna Schall ist: Sie hätte viel mehr Potenzial gehabt als zu sehen ist. Marlowes Stück thematisiert vor dem Hintergrund der zahlreichen Umbrüche der frühen Neuzeit – unter anderem der Reformation – die Freiheit der Entscheidung. Diese kann zur Bürde für den Menschen werden, wenn er ohne irgendeinen moralischen Halt durchs Leben schlingert. Die kindliche Vorstellung, alles haben zu können und glücklich zu sein, wenn man aus dem Vollen schöpfen kann, muss letztlich zu Verzweiflung und innerer Leere führen.
Eine Truppe munterer Clowns zeigt dem Publikum bei Schall die Geschichte des Wissenschaftlers Johann Faustus aus Wittenberg, der seine Seele dem Teufel verkauft, damit er 24 Jahre lang jeden Wunsch erfüllt bekommt – Zeitreisen, Magie, Macht. Danach muss er allerdings in der Hölle schmoren. Der Anfang ist vielversprechend: Es gibt eine Jahrmarktsbühne auf der Bühne, eine „Wirtin“ begleitet das naturgemäß stark körperbetonte Possenspiel mit Musik (einfallsreich: Martina Hinze), eine Leinwand sorgt für eine weitere visuelle Ebene, es gibt nette Details wie ein Zauberbuch, das grün leuchtet, wenn man es aufschlägt (Bühne: Heike Neugebauer). Schall zieht optische Brüche ein, hat – mit Grit van Dyk – aber auch massiv am Text gewerkelt. Diese Version ist alles andere gelungen; sie überschreitet viel zu oft die Peinlichkeitsgrenze: Anfangs müssen die Schauspieler vom Deutschen ständig ins Englische wechseln, was bis zur Marottenhaftigkeit getrieben wird. Es gibt in schöner Regelmäßigkeit Witze über alle möglichen körperlichen Bedürfnisse, Figuren heißen dann schon mal „Pforzheim“ und „Darmstadt“. Witzischkeit kennt da keine Grenzen. Man ahnt schnell: Das Konzept pegelt sich nicht auf wohl temperiert humorige, sondern auf krawallige Töne ein. So kommt es dann auch. Immer häufiger kippen die Szenen ins Derbe, was grotesk sein soll, aber plump ist. Peter Lüchinger und Erik Roßbander als Narren-Duo Robin und Dick können einem nachgerade leid tun, sie sind mit ihren Knallchargen-Partien extrem unterfordert.
Im Zusammenspiel von Markus Seuß als Faustus und Petra-Janina Schultz als Mephistopheles dagegen blitzt zwischendurch immer wieder auf, was aus der Inszenierung hätte werden können. Seuß ist ein rastlos Suchender, beinahe Rasender, Schultz als Mephistopheles sein dunkler Widerpart – ihm ähnlicher als gedacht und im nächsten Moment wieder entrücktes Höllengeschöpf. Das ist beeindruckend gespielt, kommt aber letztlich gegen den überbordenden Klamauk nicht an.

Weserkurier


Eine Feier der Sünde
Opulent und ekstatisch: in der Shakespeare Company feiert Christopher Marlowes „Doktor Faustus“ eine umjubelte Premiere

Wild ist er, maßlos und furios, dieser Faust, opulent, derb und ekstatisch. Und gerade darum ist er so gut! Es ist kein echtes Drama, auch wenn das Programmheft das ein wenig nahelegt, nicht einmal eine richtige Tragödie, sondern vor allem eines: clownesk.
Die Geschichte, die Johann Schall hier in der bremer shakespeare company inszeniert, stammt dabei ebenso wenig vom Hausautoren wie von Goethe – Christopher Marlowe hat sie 1589 geschrieben, ein Schustersohn, zugleich einer der bedeutendsten Vorläufer Shakespeares. Manch einer hält ihn gar für ebenbürtig. Marlowe starb allerdings noch ehe er 30 war.
Sein Dr. Johann Faust, der seine Seele an den Teufel verkauft, weil der ihm die Erfüllung seiner Allmachtsfantasien verspricht, ist noch nicht ganz so bildungsbürgerlich aufgeladen wie in späteren Fassungen der Geschichte. Sie ist zwar noch fest in der Welt verhaftet, die sie in Himmel und Hölle, Paradies und Verdammnis einteilt. In der Fassung, die am Freitag am Leibnizplatz Premiere hatte, kommt sie aber zugleich wunderbar atheistisch und religionsfern daher. Mehr noch als das Original, das damit schließt, dass Faust vom Teufel in Stücke gerissen wird, während er hier, als seine Zeit abgelaufen ist, einfach tot über jenen Büchern zusammenbricht, mit denen alles begann.
Am Ende erscheint die Angst vor dem Tod, die Faust reuig werden lässt, schlimmer als das Sterben selbst. Auch Marlowe selbst übrigens wurde, kurz vor seiner Ermordung des Atheismus bezichtigt.
„Ich dien’ nur einem Gott, der eigenen Lust“, sagt der Wissenschaftler Faust (souverän: Markus Seuß), der ohnehin nicht an Gott und Hölle glaubt, aber auch Mephistopheles (Petra-Janina Schultz, die hier wunderbar zwischen Mann und Frau changiert), ist durchaus auf seinen eigenen Spaß bedacht.
Die beiden verbindet in diesem Stück eine Art Lustbeziehung, sodass sie am Ende der 24 Jahre, die Faustus dem „Gipfel der Erkenntnis“, pardon: der schwarzen Magie, frönen darf, als altes Ehepaar daherkommen.
Dazwischen stehen viele Todsünden, gute Engel, die als tuntige Tänzer (überzeugend: Tobias Dürr) daherkommen, afrikanische Schöpfungsmythen, in denen die Sonne ausgekotzt wird, weil Gott Bauchweh hat, ein schwuler Hitler und der Schlager „Dschingis Khan“, blasphemische Papststreiche oder enthauptete Köpfe, mit denen Fußball gespielt wird. Und so weiter.
Dabei steht immer wieder die Frage im Raum: Was würden wir denn tun? Alles ist überdreht, bizarr, auch mal zotig und Slaptstick steht neben philosophischen Passagen und tiefsinnigen Monologen. Und drumherum spielt eine Clownstruppe, die schon mal bessere Tage gesehen hat und zusehends eins wird mit der Faust-Geschichte. Die Gefahr des Scheiterns, sie ist groß, wenn man das Stück so bunt und laut auf die Bühne bringt wie hier. Doch hier passt alles erstklassig zusammen.

taz, Montag, 19. Oktober 2015. Von Jan Zier.


Doktor Faustus

Der Abend beginnt lyrisch und beinahe verhalten: Stephen Sondheims „Send in the clowns“ ist gewissermaßen die Begleitmusik für die Parade der Clowns. Sieben sind es – inklusive der fabelhaften Geräuschemacherin Maria Hinze -, die aufmarschieren und Christopher Marlowes „Doktor Faustus“ spielen, und zwar, wie es im Untertitel heißt, als „eine clowneske Tragödie mit Musik“.

Regisseurin Johanna Schall und ihre Spieler haben daraus einen turbulenten Spaß gemacht, in dem die Geschwindigkeit der Commedia dell’arte, Slapstick-Momente, Black-out-Gags, akrobatische Leistungen und erotische Anspielungen nur so miteinander wetteifern. Funktioniert das bei einem Stück, das den existentiellen Urgrund der menschlichen Wünsche und Ängste thematisiert? Denn schließlich geht es bei Marlowes „Doktor Faustus“ um nicht weniger als die Frage nach Gott, um die Angst vor dem Tod und um den Wunsch nach übergroßer Macht.

Der Narr hat die Aufgabe, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten, oder wie es Henry Miller ausgedrückt hat: „Der Clown lehrt uns, wie wir über uns selbst lachen sollen. Und dieses Lachen wird aus Tränen geboren.“ Wollten uns das Ensemble und die Regisseurin mit „unendlichem Spaß“ (frei nach David Forster Wallace) überfüttern, damit wir uns selbst erkennen?

Wenn dies das Ziel war, so ist die Übung gelungen, denn der Abend strotz nur so von Einfällen. Die grotesken Gestalten, die Marlowe für die Nebenhandlung ersonnen hat, treiben es wahrhaftig bunt: Erik Roßbander gibt eine schräge Tunte, Peter Lüchinger darf kein Wort sagen, sondern nur hupen wie einst Harpo Marx. Theresa Rose und Tobias Dürr sind mal Engel und Teufel, mal Kaiser, mal Dschingis Khan.

Nur Petra-Janina Schultz, die zu einem weiblichen und sehr verführerischen Mephistopheles mutiert ist, und Markus Seuß als Faustus stehen in gewisser Weise außerhalb des gigantischen Trubels, der da über die Bühne tobt, selbst wenn sie auch Artistisches zu leisten haben. Das Ringen des Faustus um Erkenntnis und sein Wunsch nach der Macht rücken in dem ganzen Trubel in den Hintergrund. Umso brachialer und überraschender bricht zum Schluss das Tragische doch herein.

Foyer, 15.11.2015 bis 15.1.2016. Von Christian Emigholz.



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