Hamlet

von William Shakespeare

2:40 mit Pause

Übersetzung: Angela Schanelec, Jürgen Gosch
Regie: Nora Somaini
Dramaturgie: Stephan Weiland
Bühne: Ulrich Leitner
Kostüme: Heike Neugebauer
Video: Till C. Juon
Choregraphie: Christine Stehno

Mit: Svea Auerbach, Christian Bergmann, Peter Lüchinger, Michael Meyer, Markus Seuß, Janina Zamani.

Eines der meistgespielten Dramen William Shakespeares und immer wieder neu interpretiert. Die Vieldeutigkeit von Hamlets Verhalten und die differenzierten inneren und äußeren Konflikte der Figuren erlauben viele Zugänge und Darstellungsweisen des beliebten Stücks.
Helsingör ist ein hermetischer Lebensraum, eine Art Sauerstoffzelt, das der Elite des Landes ihr Überleben sichert. In diesem klinischen Rundhort verliert sich die Königsfamilie in ihren inneren Abgründen und reibt sich in internen Kämpfen und Gräueln auf.
Dem Dänenprinzen Hamlet erscheint der Geist seines toten Vaters, der ihn auffordert, den Mord an ihm zu rächen. Sein eigener Bruder, Hamlets Onkel hatte ihn heimlich ermordet, um an die Krone und in das Bett seiner Witwe Gertrud zu gelangen.
Die Trauer um den toten König soll verdrängt werden, doch die Toten sind nicht tot, sie leben in einer Parallelwelt Helsingörs, einer Art Fegefeuer, in dem ihnen keine andere Chance bleibt, als die Lebenden zu bedrängen. Hamlet wird von seinem spirituellen Freund, Horatio, in die Welt der Toten eingeführt, und da ab ist nichts mehr, wie es scheint!

Trailer


Pressestimmen

Wäre Theater Popmusik, dann müsste man wohl von einem “Remix” sprechen: Die Grundmelodie ist bekannt, aber die Variationen werden so raffiniert darübergelegt, dass Original und Kommentar gleichzeitig ins Schwingen geraten.
Wandelbarer Hamlet. Und der Hamlet? Der wird hier von Christian Bergmann gespielt; eine große, kräftige Erscheinung, bei der es zu Beginn doppelt komisch wirkt, wenn der baumlange Mann weinerlich “Mama!” schreit und einfach hintenüber in Ohnmacht fällt, als er von der Machtergreifung seines Onkels erfährt. In seinem roten Pullunder sieht er dabei wesentlich niedlicher aus, als sein wahres Wesen ist. Denn Christian Bergmann kann ziemlich schnell und auch recht rabiat von einem Ton zum anderen umschalten: vom Muttersöhnchen zum energisch bellenden Macho, vom Clown zum Künstler und noch vieles mehr. Umschalten und überraschen ist überhaupt die große Stärke dieser Inszenierung, die mit vielen tollen Einfällen aufgeladen ist.
Da die Company mit nur sechs Spielern durch das große Stück prescht, sind Transformationen an allen Ecken und Enden zu beobachten. Svea Meiken Petersen tritt als Gertrude und Ophelia abwechselnd in Erscheinung. Und dort, wo die Übersetzung von Jürgen Gosch zwar beste Verständlichkeit aber nicht genügend Ausdruck liefert, da ergänzt sich manches an diesem Abend durch Körpersprache.
Das Resümee? Ein großartiger Theaterabend, den das Ensemble um den fantastisch aufspielenden Christian Bergmann in der Titelrolle anbietet. Ein Hamlet ohne Marmorkälte, dafür mit viel Energie und punktgenauen Einfällen. Applaus!
Weserkurier


Regisseurin Nora Somaini hat mit der Shakespeare Company die alte Geschichte und die alten Sprüche zu einem beinah multimedial gestalteten Märchen auf die Bühne gebracht.
Der Hamlet-Darsteller Christian Bergmann… zieht die Zuschauer immer mehr in seinen Bann - als Verkünder der Shakespeare-Wahrheiten und als Mann, dessen Irrsinn eine fast schon normal zu nennende Reaktion ist auf die irrsinnige Welt. Dieser Hamlet überzeugte sein Publikum vor allem im zweiten Teil.
taz


Das Schauspiel verbindet moderne Kunst mit den traditionellen Worten Shakespeares. Alle Darsteller spielen absolut überzeugend. Christian Bergmann begeistert in der Rolle des Hamlet mit extrem kraftvoller Stimme und viel Ausdruckskraft. Diese moderne Inszenierung berührt und macht Spaß.
Bei der Premiere gab es zu Recht tosenden Applaus.
Bild


…außer vielleicht die Empfehlung an das Publikum, sich nächstes Mal lieber eine andere „Hamlet“-Inszenierung anzusehen, eine, die nicht nur verständlicher, sondern auch durchdachter ist als ausgerechnet diese der Shakespeare Company.
Wer den Text kennt, spürt sofort: Es geht in die falsche Richtung!
Um Missverständnissen vorzubeugen: Natürlich kann man ein solch vielschichtiges Stück wie den „Hamlet“ unterschiedlich deuten. Die eine richtige Interpretation gibt es nicht. Wer aber den Text liest, wird im Normalfall zu dem Ergebnis gelangen, dass es sich tatsächlich – wie von Shakespeare deklariert – um ein „Trauerspiel“ handelt und nicht um eine Klamotte.
Die Fallhöhe des Stücks ist verloren. Man nimmt der Inszenierung keine Ernsthaftigkeit mehr ab: Sie rauscht vorüber, ohne den Zuschauer jemals zu bewegen.
Dieser „Hamlet“ ist der Shakespeare Company vollkommen missraten.
Kreiszeitung


Mit „Hamlet“ liefert die bremer shakespeare company eine rasante High-Tech-Inszenierung – angesiedelt zwischen Tragik und Klamauk.
Shakespeares bekannteste Tragödie ist tot interpretiert, tot gespielt. Regisseurin Nora Somaini wagt mit gekürztem und bearbeiteten Text einen Neuanfang. Sie erzählt das Stück als effektvolles Kammerspiel: Die Bühne besteht aus einem nebulösen Schleier, die Videotechnik liefert supercoole Projektionen, die zurückhaltende Musik wirkt stimmungsvoll ins sinnliche Erlebnis hinein. Dass dieser „Hamlet“ nicht zur seelenlosen High-Tech-Show gerät, ist Somainis ideenreicher, teils mit deftigem Humor gewürzten Inszenierung sowie einem exzellent agierenden Schauspieler-Ensemble zu verdanken.
Nach zweieinhalb atemlosen Stunden isz die Welt als Mördergrube emttarnt. Das Publikum hat mitfiebern und sich amüsieren dürfen. ein gelungener Neuanfang.
Weser-Report


Nora Somaini verpasst Shakespeares „Hamlet“ ein neues Gewand: Mit Videoprojektionen, einem kühlen Bühnenbild und dem Verzicht auf die gelegentlich klamaukigen Exkurse.
Mit einem entschlackten Text, der ohne die außenpolitischen Ereignisse auskommt und auch sonst ein paar Überraschungen bietet. Dabei bleibt Hamlet immer Hamlet, allerdings gründlich von Klischees befreit. Die Regisseurin klopft dem Stoff den Staub ab und zeigt einen Hamlet, dessen Straucheln und Zaudern sich immer wieder auch körperlich ausdrückt. Ohne das Stück zu überfrachten, sorgt das für einen spannenden Abend, der von seinem Publikum einfordert, sich auf seine visuellen und gestischen Mittel einzulassen und nicht zuletzt auch auf den Sound, den Somaini geschaffen hat.
Bremer Anzeiger


Der “Kaufmann von Venedig”, den Nora Somaini vor zweieinhalb Jahren an der bremer shakespeare company inszenierte, überraschte mit einem für die Company ganz unerwarteten Stil: Mit Videoprojektionen, einem kühlen Bühnenbild und dem Verzicht auf die gelegentlich klamaukigen Exkurse, die manche Inszenierung der Company würzen, brachte sie frischen Wind ins Haus.
Und ihr “Hamlet” erfüllte gestern Abend die Erwartungen, die in sie gesetzt wurden. Mit einem entschlackten Text, der ganz ohne die außenpolitischen Ereignisse um den norwegischen König Fortinbras auskommt und auch sonst ein paar Überraschungen bietet, zeigt sie die Geschichte in einem Mikrokosmos, der durch ein Halbrund aus Plastikfolie umgrenzt ist, welches das Personal in aller Regel kriechend durch ein Loch im Boden betritt, während um die Halbkugel herum immer wieder gespenstische Gestalten schlurfen. Die Folie dient zugleich als Projektionsfläche für die Bilder der Handkamera auf der Bühne. Reizvoll auch die Kostüme: Hamlet (Christian Bergmann) wird beispielsweise als Muttersöhnchen in einem schreiend roten Pullunder eingeführt, Claudius (Peter Lüchinger), sein frischgebackener Stiefvater, steckt in einem futuristisch anmutenden Rock.
Rasender Hamlet, staubfrei
So klopft die Regisseurin dem Stoff den Staub ab und zeigt einen rasenden Hamlet, dessen Straucheln und Zaudern sich immer wieder auch körperlich, in epileptischen Anfällen, ausdrückt – eine Art moderner Fürst Myschkin aus Dostojewskis “Idiot”. Dessen Moral scheitert am Zynismus der Macht, die Peter Lüchinger als Claudius glänzend personifiziert, assistiert von seinem Gefolgsmann Polonius (Michael Meyer).
Ohne das Stück zu überfrachten, sorgt das für einen spannenden Abend, der von seinem Publikum einfordert, sich auf seine visuellen, gestischen Mittel einzulassen, und nicht zuletzt auch auf den Sound, den Somaini geschaffen hat. Hoch artifiziell, geradezu kalt auf der einen Seite, hoch emotional bei Hamlet, kindsköpfig bis an die Grenze des Erträglichen bei Ophelia (Svea Meike Petersen, auch als Gertrude zu sehen).
Am Ende ist wenig Hoffnung: Nach dem Duell, bei dem sich Laertes (Gunnar Haberland) und Hamlet in einer Art Wetttauchen messen, reiht sich selbst Horatio (reizvoll zwischen naiv und weise changierend: Janina Zamani) ein in die geisterhafte Prozession, die um die mittlerweile am Boden liegende Plastikhülle kreist.
nachtkritik


Die Inszenierung spielt mit dem Grotesken, das sich dem jungen Hamlet bietet. Die dazu besonders choreographierte Bewegungssprache (Tanztraining: Christine Stehno) sowie der Gebrauch von Sprechchor und anderen Überzeichnungen lassen die Welt in absurdem Licht erscheinen. Dabei schafft es die Inszenierung mit spielerischer Leichtigkeit (auch im Text!), das klassische Stück aufs Heute zu beziehen. Stilistisch wird dazu auch das Medium Film eingesetzt. Christian Bergmanns Hamlet, zum Anfang der Inszenierung noch ein verwöhnter, ungefestigter und zaudernder Schuljunge mit Hang zur Beinahe-Ohnmacht, entwickelt sich zusehends zum analytisch denkenden Erwachsenen, der Verantwortung für sein Leben übernimmt.
Unangestrengt und klug unterhält und fesselt diese Inszenierung ihr Publikum über zwei Stunden und 40 Minuten, indem sie ihre Sicht auf die Dinge auf den Punkt bringt.
Was hier aber am meisten begeistert: Nora Somaini lässt das durchweg überzeugende Ensemble spielen und Ideen selber entwickeln. Viel Applaus für ein lebendiges Theater!
Diabolo


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