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11. Projekt der Reihe „Aus den Akten auf die Bühne. Kooperation mit der Uni Bremen

Das 11. Projekt von „Aus den Akten auf die Bühne“ behandelt Ursachen und Folgen des Radikalenbeschlusses (Januar 1972) und dessen Umsetzung in Bremen. Innere Sicherheit, Staatsschutz und Verfassungstreue sind zentrale Themen der öffentlichen Auseinandersetzung in den 1970er Jahren.

Grundlage der Lesung sind verschiedene Fälle (zum Beispiel Antje Linder, Barbara Larisch, Hermann und Renate Kuhn, Heidi Schelhowe, Frank Behrens, Günter Griese). Sie sind im Staatsarchiv Bremen überliefert, weil ihr Rechtsanwalt (Gerhard Baisch) die Akten dorthin abgegeben hat und die meisten Betroffenen einwilligten, dass ihre Akten „zum Sprechen“ gebracht werden dürfen. Mit ausgewählten Dokumenten (Adenauer-Erlass 1950 u.a.) und Artikeln aus der (inter)nationalen Presse (Alfred Grosser, Jürgen Habermas z.B.) wird der Radikalenbeschluss in die Geschichte Westdeutschlands verortet.

Die Forschung zum Radikalenbeschluss, der die kritischen Vertreter_innen einer Generation verunsicherte, steht noch in den Anfängen. Die Praxis in einem Bundesland anhand von Fallakten - und damit die konkreten Folgen für die Betroffenen - ist bis jetzt noch nicht untersucht. Bremen ist unter mehreren Gesichtspunkten besonders spannend. Die Gründung der Universität und die Sorge des Staates, dass vor allem „linke Extremisten“ von ihr angezogen werden, in Bremen studieren wollen oder sogar Stellen bekommen; ein Bürgermeister (Hans Koschnick), der relativ früh den „Extremistenbeschluss“ als Fehler bezeichnete und dessen Anwendung zu entschärfen versuchte; und schließlich nach jahrelangen Initiativen der Fraktion Die Grünen / Bündnis 90/die Grünen der Beschluss von Senat und Bürgerschaft 2011/2012, die Richtlinien aufzuheben, die Betroffenen zu rehabilitieren und zu entschädigen.

Das Team von „Aus den Akten auf die Bühne“ hat mit seiner Entscheidung, sich mit diesem fast vergessenen Kapitel der westdeutschen Geschichte auseinanderzusetzen, einen guten Zeitpunkt gewählt. Niedersachsen hat Anfang 2017 eine Landesbeauftragte (Jutta Rübke) ernannt, die bis Ende 2017 Akten verschiedener Ministerien und des Verfassungsschutzes auswerten und die Namen der Betroffenen und deren Biographien recherchieren soll. Wie in jedem Projekt aus der Reihe „Aus den Akten auf die Bühne“ an der Universität Bremen, eine bundesweit einmalige und erfolgreiche Kooperation zwischen Forschung, Lehre und Theater, recherchieren die Studierenden in Archiven, werten Fallakten und Medien aus und schreiben Artikel oder Einleitungen zu ausgewählten Quellen.

Ein Sammelband mit Beiträgen, zahlreichen Abb. und Dokumenten wird zu der Premiere erscheinen.

Mehr Infos unter: www.sprechende-akten.de und auf facebook (›sprechende akten‹).