Shakespeares Könige. MORD MACHT TOD.

nach William Shakespeare

2:30 mit Pause

Übersetzung: Frank Günther.
Spielfassung: Grit van Dyk, Johanna Schall.
Regie: Johanna Schall.
Bühne/Kostüme: Heike Neugebauer.

Mit: Tobias Dürr, Rune Jürgensen, Ulrike Knospe, Michael Meyer, Erik Roßbander, Petra-Janina Schultz.

In seinen Historiendramen blättert sich in der wechselvollen Geschichte der beiden Zweige des Hauses Plantagenet der oft grausame Mechanismus einer Königsherrschaft auf.

König Eduard III. von England hat sieben Söhne. Sein Erstgeborener, auch ein Eduard, fällt in der Schlacht und so wird dessen Sohn, Richard, sein Nachfolger auf dem Thron. Dieser Richard Nº II. will Irland unterwerfen.
Dafür braucht er dringend Geld, also enteignet er kurzerhand seinen Cousin, mit Namen Heinrich, der daraufhin den König verhaften, absetzen und sich selber zum König krönen lässt und den nun ehemaligen König umbringen lässt.
Nunmehr ist er, als Heinrich IV., König von England. Sein Plan eines Kreuzzug nach Jerusalem scheitert, und als er eines nicht glücklichen, aber immerhin natürlichen Todes stirbt, übernimmt sein Sohn ‚probehalber’ die Krone. Heinrich V. führt erfolgreich Krieg mit Frankreich und endlich scheinen sich die Machtverhältnisse am Königshof zu stabilisieren. Doch viel zu früh verstirbt Heinrich V., und sein Sohn und Nachfolger ist nicht für den Thron geschaffen: dem Glücksspiel und religiösen Ritualen ergeben, überlässt er das Regieren anderen. Der Krieg mit Frankreich dauert einhundert Jahre. In England bekriegen und töten sich gegenseitig ganze Familien um die Farbe einer Rose. Eduard IV. erobert den Thron für die weiße Rose, doch er wird von seinem Bruder Richard, der einen Buckel und ein lahmes Bein hat, ermordet. Dieser Richard III., liefert das Satyrspiel, dem sich die lange Geschichte der Tudors anschließt, deren Dichter Shakespeare ist.


Pressestimmen


Neben der verkürzt erzählten englischen Historie schält ihre Bühnenfassung vor allem das allen Stücken innenwohnende Thema Macht heraus. Ihr klarer und entlarvender Blick spiegelt sich in dem schlichten Bühnenbild von Heike Neugebauer. Eine Flut eindrucksvoller Bilder, unglaublich abwechslungsreiche, durchdachte Regieeinfälle, reichlich Musik und Bewegung sowie ein gut durchrhythmisiertes Tempo helfen, der Geschichte (immer leichter) zu folgen.
Dabei kommen die Bezüge zum Heute… Überhaupt ist „Mord Macht Tod“ sehr körperlich angelegt. Zusammen mit der gewohnten unbändigen Spiellust des gesamten Ensembles, macht dieser Theaterabend trotz ernster Thematik, wirklich Spaß.
Diabolo, Oldenburg


Der Text von “Shakespeares Könige” ist sozusagen das politische Skelett der Königsdramen. Die Scharmützel zwischen den rivalisierenden Parteien, die taktischen Manöver um die Macht bilden das wesentliche Material… “Shakespeares Könige” ist eine durchaus interessante Meditation über das Verhältnis von Macht und Recht – nicht nur in Zeiten der Alleinherrschaft… Schall “enthistorisiert” die Könige in ihrer Inszenierung, indem zwar in Shakespeares Worten ihre Geschichte erzählt wird, sie aber in alltäglichem Verhalten und schlichten Kostümen alles andere als königlich daherkommen, eher mal sehr normal-menschlich wirken, mal den Charme rivalisierender Gangster-Cliquen verströmen.
So macht die Inszenierung den Gedanken plausibel, dass auch in anderen Zusammenhängen und Staatsformen Recht immer wieder für Macht instrumentalisiert wird. Für Shakespeare-Company-Verhältnisse ist das Setting ungewohnt sparsam …
Auch wenn das wie immer zahlreich erschienene Stammpublikum im Theater am Leibnizplatz selten einen so textlastigen und politisch ambitionierten Abend zu sehen bekommen haben dürfte, gab es langanhaltenden Applaus.
nachtkritik


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