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Szenische Lesung aus der Reihe „Aus den Akten auf die Bühne“. Kooperation bremer shakespeare company und Universität Bremen, FB Geschichtswissenschaft.

Im Mittelpunkt der Lesung steht das Leben des Arbeiters Johann Geusendam (1886-1945), dessen Ausweisungsverfahren noch im Kaiserreich (1909) beginnt und schließlich am Ende der Weimarer Republik (1931) vollzogen wird. Zwangsmigration, Verfolgung und Widerstand prägten von da an das Leben Johann Geusendam. Nach seiner Ausweisung ging die Familie nach Enschede. Von dort aus organisierte Geusendam die Fluchthilfe für Emigranten aus Deutschland. 1940 wurde er von der Gestapo in Enschede verhaftet und durchlebte den Terror des NS-Strafsystems: Schutzhaft in Münster, Verurteilung durch den Volksgerichtshof in Berlin, Haft im Zuchthaus Brandenburg–Görden und 1944 schließlich Transport nach Süddeutschland in das Arbeitshaus Schloss Kaltenstein. Dort starb er im April 1945. In Geusendams Bremer Jahren war der Fall „Johann Geusendam und Familie” - wie kein zweiter - Gegenstand leidenschaftlicher Debatten in der Bremischen Bürgerschaft. In dem Konflikt um diese Ausweisung wird das Kräfteverhältnis zwischen Senat und bürgerlichen Parteien auf der einen und den Arbeiterparteien auf der anderen Seite immer wieder neu vermessen. Fragen von unverminderter Aktualität werden aufgeworfen, zum Beispiel: Wie lange bleibt ein Mensch Ausländer?