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Szenische Lesung aus der Reihe „Aus den Akten auf die Bühne“. Kooperation bremer shakespeare company und Universität Bremen, FB Geschichtswissenschaft.

Die Lesung dokumentiert rund 100 Jahre der kolonialen Vergangenheit Bremens. Zentrale Fragen sind: Welche Interessen führten Männer und Frauen aus Bremen nach Afrika? Wie begegneten sie schwarzen Menschen in den Kolonien? Wie verhielten sich die Bremer und Bremerinnen gegenüber den Afrikanerinnen und Afrikaner in der Hansestadt? Wie reagierte Bremen nach 1919 auf den Verlust der Kolonien? In der szenischen Lesung kommen u.a. zu Wort: bekannte Bremer Kaufleute wie Adolf Lüderitz, der als erster Deutscher auf hinterlistige Weise 1884 Land im heutigen Namibia erworben hat und Missionare der Norddeutschen Mission und deren mitausreisende Ehefrauen. Außerdem zeigt sie die Geschichte des geflüchteten Sklaven William Stepney auf, dessen Rücktransport nach New Orleans schon in Dünkirchen ein überraschendes Ende findet, sowie die Suche nach dem Schädel von Chief Mkwawa, dessen Rückgabe in Artikel 246 des Versailler Friedensvertrages gefordert und der 1952 im Magazin des Überseemuseums gefunden wird. Auch die in Bremen und Berlin jahrelang geführte Auseinandersetzung um den Einbürgerungsantrag des in Lomé geborenen Johannes Kohl wird in den Fokus genommen, ebenso wie „Deutschlands Recht auf Kolonien“, das nach 1919 in Bremen immer wieder lautstark verkündet und schließlich auch im „Elefanten“ in Stein gemeißelt wird. Das Publikum wird in der Lesung zu einer langen Reise eingeladen: ein weiter Bogen von den ersten Kaufleuten und Missionaren des 19. Jahrhunderts über die kolonialrevisionistischen Aktivitäten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zu dem heutigen Umgang mit dem kolonialen Erbe.