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Szenische Lesung aus der Reihe „Aus den Akten auf die Bühne“. Kooperation bremer shakespeare company und Universität Bremen, FB Geschichtswissenschaft.

Mitte des 19. Jahrhunderts tauchte der „lästige Ausländer“ in der Behördensprache das erste Mal auf. In der Weimarer Republik wurde er in der amtlichen Terminologie zu dem Grund der Ausweisung schlechthin. Wer oder was „lästig“ war, bestimmten die Behörden. Gegen die Ausweisung als „lästiger Ausländer“ gab es keine Rechtsmittel. Nur eine Beschwerde an den Bremer Senat konnte den Vorgang aufhalten, in seltenen Fällen auch abwenden. Mit der Beschwerde trat der Ausländer aus der Anonymität der Ausweisungszahlen heraus und wurde zu einem dokumentierten Einzelfall mit einer unter seinem Namen geführten Akte. Die Berichte der Behörde reduzieren die Biographie des Ausländers auf die Eigenschaft der „Lästigkeit“. Die Ausweisung wurde ohne Angabe von Gründen angeordnet. Die Akten zeigen jedoch, mit welchen Faktoren die „Lästigkeit“ konstruiert wurde: Kriminelle Delikte, politische Gesinnung, Rasse, unsittlicher Lebenswandel Aus dem Blickwinkel der Betroffenen sind andere Lesarten der Biographien möglich. Einzelschicksale von Menschen werden deutlich, deren Zukunft durch eine Ausweisung bedroht, wenn nicht gar zerstört wurde. Das Projekt verlässt sich in der szenischen Lesung auf die Sprache, genauer auf die verschiedenen Sprachen der beteiligten Akteure: Polizei und Politik auf der einen Seite und die zu „lästigen Ausländern“ deklarierten Menschen, ihre Angehörigen, Rechtsanwälte, Vertreter von Kirchen, Gewerkschaften und Arbeiterparteien auf der anderen Seite.