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Szenische Lesung aus der Reihe „Aus den Akten auf die Bühne“. Kooperation bremer shakespeare company und Universität Bremen, FB Geschichtswissenschaft.

„Vom Schloss in die Zelle“, „Die Entwirrung des Wollknäuels“, „Die Verteilung von Schuld und Schulden“, „Bremer Woll-Panama und kein Ende“, „Nordwolle-Proleten auf die Straße geworfen“, „Konkursverbrechen und Betrug“, „Wieso schreitet der Staatsanwalt nicht ein?“ „Bremer Wirtschaftskapitäne im Kreuzfeuer der Kritik“; „Ein schwarzer Freitag für die bremische Wirtschaftsehre“ – das sind einige der Titel aus der zeitgenössische Presse, als der Bankrott der „Nordwolle“ die Medien der Nation monatelang beschäftigte. Der Konkurs des größten europäischen Textilkonzerns im Juli 1931 hat dramatische Folgen nicht nur für Bremen: Banken werden geschlossen, das deutsche Finanzsystem kollabiert, die allgemeine Wirtschaftskrise spitzt sich zu. Das Ansehen des Bremer Kaufmanns ist vor allem im Ausland schwer beschädigt. Anfang 1931: Die Brüder Lahusen, allen voran G. Carl Lahusen als tonangebende Figur im Vorstand des Nordwollekonzerns, sind auf dem Höhepunkt ihrer Macht angekommen, als sich binnen weniger Monate ihr rasanter Absturz ereignet. Am 17. Juli 1931 verhaftet die Polizei die Brüder Lahusen im Gut Hohehorst. Der Traum des bürgerlichen Unternehmers vom Adelsschloss ist jäh ausgeträumt. Zwei Jahre lang ermittelt die Reichsanwaltschaft gegen die Brüder Lahusen, bis im August 1933 der Prozess eröffnet wird und mit ihrer Verurteilung zu Haft- und Geldstrafen ausgeht. Doch noch immer ist das Handeln der Hauptakteure aus Wirtschaft und Politik von vielen Rätseln umgeben. In der szenischen Lesung - der 8. Folge von „Aus den Akten auf die Bühne“ - wird zum ersten Mal auch der bisher unbekannte Weg von G. Carl Lahusen nach der Haftentlassung in den 1930ger Jahren in Berlin verfolgt. Wie versuchte er beruflich wieder Fuß zu fassen und um welchen Preis, mit welchen Methoden mit wessen Unterstützung? Welche Rolle spielte sein ehemaliger Betriebsdirektor Dr. Hans Horst, Parteigenosse der NSDAP seit 1930? Und wieso steht Lahusen 1941 erneut vor Gericht, diesmal vor dem Landgericht Berlin?