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Das bezaubernde Liebes-Versteckspiel zwischen Rosalind und Orlando ist eine komisch-tiefgründige Suche nach der Liebe und nach sich selbst.

Krise ist immer und überall, am fürstlichen Hof setzt sie das Drama in Gang, doch im Wald befeuert sie die Komödie. Am Hof herrschen Egoismus und Opportunismus, jeder muss sich verbiegen, um zu bestehen, doch der Wald stellt andere Herausforderungen: jenseits der höfischen Verhaltenskonventionen – wer ist man dann und wie kann man seinen Platz in der Gesellschaft finden?
Das bezaubernde Liebes-Versteckspiel zwischen Rosalind und Orlando ist eine komisch-tiefgründige Suche nach der Liebe und nach sich selbst. Die Komödiendialoge spielen verschiedene Liebesvariationen durch: romantisch, derb-lustig, pragmatisch und illusionär.

Wie Es Euch Gefaellt

Trailer


Pressestimmen

Sicher ist nie gar nichts
Alle Ordnung ist futsch. Am Hof der Familie de Boys’ herrschen Streit und Rachsucht, der ältere Bruder Oliver verweigert dem jüngeren Orlando Geld und Bildung, Herzog Frederick, selbst durch einen Putsch an die Macht gekommen, verbannt seine Ziehtochter Rosalind und gleich auch noch seine Tochter Celia. Hofnarr Prüfstein schließt sich ihnen an. Auch Orlando muss fliehen, der Herzog ist auch ihm nicht wohlgesinnt, nachdem Orlando seinen Bodyguard Charles böse vermöbelt hat. Vorher haben sich Rosalind und Orlando aber noch ineinander verguckt. So beginnt eine von William Shakespeares populärsten Komödien, „Wie es euch gefällt“, die im weiteren Verlauf nur noch am Rande mit Hof- und Adelsintrigen zu tun hat – der Großteil der Handlung spielt an einem Ort ohne Regeln: im Wald.
In diesem weltentrückten Setting verhandelt das Stück weiterhin seine Themen, da geht es um den Verlust von Sicherheit, das Ringen um Identität(en), die Lust am Rollentausch. Und die vielen Möglichkeiten der Liebe. Das genau ist es, was die heutigen Zuschauer in den Bann schlägt, während die Zuschauer bei der Uraufführung im Jahr 1600 sicher ebenso stark die gesellschaftsanalytischen Untertöne der Komödie gespürt haben mögen: Das Zeitalter Elisabeth I. neigte sich dem Ende zu, die große Nation geriet ins Wanken, jeder suchte nach seinem Platz.
Doch zurück zur Liebe und in die Jetztzeit. Für die Bremer Shakespeare Company hat Thomas Weber-Schallauer „Wie es euch gefällt“ (As you like it) als letzte Premiere der Spielzeit inszeniert. Er stellt den leichten, spielerischen, ja karnevalesken Aspekt des Stücks in den Vordergrund und profitiert dabei von einem glänzend aufgelegten Ensemble – sechs Schauspielern in 18 Rollen, die sie ausnahmslos bravourös und mit viel Spaß an der Gaukelei bewältigen. Im Zentrum stehen Rosalind (Theresa Rose), die sich auf ihrer Flucht als Mann verkleidet und Ganymed nennt, und Orlando (Philipp Michael Börner), der nach Rosalind sucht, aber nur Ganymed findet, der – Achtung – dem liebeskranken Orlando wiederum vorschlägt, für ihn Rosalind zu mimen. Durch diesen typisch Shakespeareschen Kunstgriff kann das Paar sich testen, sich aneinander abarbeiten, ohne in typische Mann-Frau-Muster zu verfallen. Das führt naturgemäß zu einer Reihe von pointierten Schlagabtäuschen über das Wesen der Liebe an und für sich, bei denen Börner und Rose sich die Bälle spritzig und pfeilschnell zuwerfen.
Kaum ist eine inhaltliche Position geäußert, folgt auch schon das Kontra – das Paar ist zudem von diversen anderen Liebes- und Lebensauffassungen umgeben. Denn im Wald, diesem Ort, der allen und keinem gehört, hat sich der alte König mit Gefolge angesiedelt und eine Art friedliches Gegenregime zur Tyrannei seines Bruders aufgebaut. Mit von der Partie sind zudem Schäfer und Schäferinnen, die wie in einer Paro-die der klassischen Pastoralen weniger die unschuldigen Kinder einer Idylle denn bäurische Naivlinge sind. Am anderen Ende der Skala gibt es dagegen ausschließlich Verachtung für die Romantik: Da schleudert der schlaue Narr Prüfstein seine Spottpfeile (fabelhaft: Christian Bergmann), und Svea Meiken Auerbach gibt den Edelmann Jacques als melancholisch-intellektuellen Verächter weltlicher Genüsse. Dieses komplexe wie ironische Ja-Nein-Hin- und Her-Geplänkel hat Wolters-Schallauer durch eine weitere Scharade gedoppelt: Die Schäferinnen werden von Erik Roßbander und Christian Bergmann gegeben, was sich durch deren zugleich urkomisches wie völlig un-tuntiges Spiel völlig logisch ins Konzept fügt.
Das gilt auch für das karge wie kluge Bühnenbild von Heike Neugebauer, das einen weiteren Guckkasten auf die Bühne stellt; der Wald wird sparsam durch Baum-Silhouetten angedeutet, ab und an wird auch mal ein Brett durch die Gegend getragen, dazu klimpert eine Gitarre Country-Klänge. Am Ende löst sich – es ist ja eine Komödie – alles in Wohlgefallen auf. Der fiese Anfang ist vergessen, die Bösen bereuen, die Guten gewinnen. Bis zum nächsten Mal. Denn sicher ist nie gar nichts.

Weser-Kurier, Samstag, 18. April 2015. Von Iris Hetscher.


Männer im Wald
Die Shakespeare Company zeigt „Wie es euch gefällt“ als zotige Männer-Klamotte. Dabei wird hin und wieder auch ganz vorsichtig an Geschlechteridentitätn gerüttelt

Ausgekugelte Schultern, Tritte in die Kniekehlen und schmerzverzerrte Gesichter: In der bremer shakespeare company wird „Wie es euch gefällt“ mit außerordentlichem Körpereinsatz gespielt. Nicht nur in den Kampfszenen inszeniert Thomas Weber-Schallauer die Komödie als Männerstück.
Da geht´s in vielfachen Konstellationen um Brüder, um Väter und um Männerfreundschaften – vor allem um die Probleme, die echte Kerle mit so was haben: Weinen dürfen sie nicht, in der Liebe sind sie chronisch unbeholfen und endlich unter sich, fällt ihnen nichts besseres ein, als mit blöden Zoten um sich zu werfen.
Dabei ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte doch eigentlich eine Frau: Die junge Rosalind, die in den Wald von Arden flieht, wohin bereits ihr Vater verbannt wurde. In dieser idyllischen Gegenwelt zu den Intrigen des Hofs stiftet sie in Männerkleidung allerlei Unruhe in unzähligen Nebenhandlungen, die aber auch trotz zahlreicher Doppelbesetzungen erfreulich übersichtlich bleiben.
Überzeugend wechselt Theresa Rose als Rosalind zwischen ihrer männlichen Tarnung und der fast übertriebenen Mädchenhaftigkeit hinter der Maske. Gerade mit dem geliebten Orlando entstehen dabei einige hübsch-queere Momente. Als Rosalind ihn trifft, bleibt sie in der Männerrolle und bietet sich dem Geliebten als Testobjekt und Projektionsfläche an: „Sag´s mir als sei ich deine Rosalind.“ Das Spiel bleibt nicht bei Worten und mündet im zahmen Kuss zwischen immerhin vermeintlichen Männern.
Leider bleibt das nur ein kurzer Augenblick in einer sonst eher klischeebeladenen Travestie. Im Großen und Ganzen erweist sich die Geschlechterordnung nämlich als sehr stabil. Männer in Frauenkleidern treten als Kalauermaschinen auf – als Karikaturen hässlicher Weiber. Mitunter ist das zwar wirklich lustig, aber es ärgert dann doch, wenn billige Lacher einreißen, was eben noch zwischen Rosalind und Orlando aufblitzte. Und Ende ist dann sowieso alles dahin: Rosalind legt die Männerkleider ab und alle sortieren sich im eiligen Wer-zu-wem zurück in ihre Pärchen. Da durfte man zwischendurch doch mehr erwarten, als der Schauplatz der einführenden Schlägerei in wärmerem Licht zum Waldboden wurde und ein Gitarren-klampfender Barde mit folkloristischer 70er-Jahre Liedermacherei zur Flucht auf Land einlud. Das war ein starker Einstieg in diese Anderswelt, wo man aneinander vorbei irrt und sich ganz ohne Verbissenheit um den Sinn des Lebens stritt.
Traurig im Recht bleibt da der melancholische Philosoph Jacques, den Svea Meiken Auerbach treffsicher unaufgeregt spielt. Der hatte dem Frieden die ganze Zeit nicht getraut und sich nur für das interessiert, worauf es auch wirklich ankommt: für Freundschaft, Narren – und für die schönste Musik. Eins ist nämlich klar: Die gesellschaftlichen Verhältnisse sind hier im Wald, fernab der höfischen „Krämerseelen“, auch nicht besser. Es drehte sich doch wieder alles nur um die natürliche Autorität der Väter und Anführer.

taz, 18./19. April 2015. Von Jan-Paul Koopmann


Thomas Weber-Schallauer macht in Bremen aus „Wie es euch gefällt“ ein ansehnliches Komödchen – mehr nicht
Die Liebe und das große Ganze

Es gibt in „Terminator 3“ diesen tollen Moment, in dem John Connor und Kate Brewster erfahren – und zwar von einer androiden Kampfmaschine aus der Zukunft –, dass sie dereinst ein Paar werden. Zudem würden sie noch den postapokalyptischen Menschheitsrest anführen im Kampf gegen die rebellierenden Maschinen. Erst nach dieser Offenbarung ihrer, nun ja: Bestimmung (und dem dazugehörigen Schock) fällt ihnen ein, dass es in ihrer Jugend mal einen Erster-Blick-Moment gegeben hat – beim Knutschen in der Kleinstadtkneipe. Die Liebe und das große Ganze.

So wie derlei krachige Robotermärchen gelegentlich Shakespearehaftes in sich tragen, wird dem großen Elisabethaner ja nachgesagt, er habe in geradezu unheimlicher Weise diverse Gegenwarten bis hin zu unserer antizipiert. Nicht nur im Mord und Totschlag der Königsdramen oder in Hamlets grübelndem Zentraleuropäertum. Auch im scheinbar leichten Komödiantischen. Auch in Liebesdingen.
„Wie es Euch gefällt“ ist eine dieser vertrackten Liebeskomödien. Sie stammt von 1600, also von weit vor dem Dreißigjährigen Krieg. Und noch viel weiter vor dem, was man romantische Liebe nennt. Mit leicht-schlauer Hand verwebt Shakespeare einen gedoppelten Bruderzwist und diverse amouröse Konstellationen. Terminator-mäßige Liebes-Schocks inklusive.
Dass das mit heute was zu tun haben könnte – gar in unheimlicher Antizipation –, davon merkt man in der Inszenierung von Thomas Weber-Schallauer im der Bremer Shakespeare Company herzlich wenig. Allem komödiantischen Talent zum Trotz, welches das sechsköpfige, ganz companytraditionell mit diversen Rollen ausgestattete Ensemble vorstellt, und trotz einiger eindringlicher Bilder kann man das Gefühl haben, hier werde einem – meinethalben mit einigem Elan – nur ein alter Kulturtext vorgelesen.
Und?
Erik Rossbander hat als Herzog Frederick, den er so kaltblütig-gewalttätig gibt wie einen großbürgerlichen Mobster, gleichsam sich selbst vor die Tür gesetzt. Denn den entmachteten Herzog Senior spielt er auch. Diesen mit Barett militärischer, er ist ja auch im Exil. Aber, weil das Exil ein Wald ist, in dem Senior mit einigen getreuen Lords Zuflucht fand, auch beseelt von der Natur (zunehmend auch der komplexen des Menschen). Frederick schickt Seniors Tochter Rosalind fort, die, schwesterlich mit seiner eigenen Tochter Celia verbunden, am Hof leben durfte. Und macht so Rosalind (Theresa Rose verleiht ihr eine jugendliche Agilität, die sich aber mitunter arg dem Formenrepertoire des Boulevard zuneigt) zum Zentralgestirn des immer furioser abgefackelten amourösen Feuerwerks. Rosalind verkleidet sich, damit die Flucht gelingt, als Mann. Die Travestie und die daraus resultierenden Verwechselungen sind in Shakespeares Komödien ja ein gern genommenes Mittel, um zugleich die Handlung voranzubringen und die Zug- und Hebelwerke der Gefühle anzukurbeln. Celia geht mit ihr, ebenso der Hofnarr Prüfstein. Letzteren kleidet Christian Bergmann mit einem beeindruckenden Fuder komödiantischer bis grotesker Wesenszüge aus. Wie Rosalind wird auch Orlando vom Herrscherhof gejagt; nicht ohne noch den – Schock: erster Blick! – amourösen Stein ins Rollen zu bringen.
Heike Neugebauer hat über einer leicht geschrägten Fläche aus Holzbohlen eine kammerbühnenartige Wand gestülpt, die die höfische Enge begrenzt, die aber, in die Höhe gezogen und mit Baumsilhouetten beamerbestrahlt, auch den geringfügig luftigeren Wald darstellen kann. In diesen fliehen parallel Orlando (zurückhaltend präzise: Philipp Michael Börner) und die als Mann verkleidete Rosalind. Warum sie sich nach gelungener Flucht aber weder ihrem Geliebten noch ihrem Vater zu erkennen gibt, ist unklar. Abgesehen von der dramaturgischen Funktion. Nur in Hemd und Hose kann sie scheinbar über Gefühlswelten und Handlungsweisen der Geschlechter räsonieren, nur so auch Orlandos Liebe auf Ernsthaftigkeit überprüfen. Nur so kann sich das Landmädchen Phebe in sie verlieben. Nur so schließlich kann Herzog Senior seinem zukünftigen Schwiegersohn sein Königreich versprechen – aus Erleichterung, seine Tochter wiederzuhaben.
So leichtfüßig Shakespeares Zeilen – hier liebevoll wie in den Sonetten, dort melancholisch ernst in den Grübeleien von Svea Auerbachs in etwas zu wilhelmbuschiger Karikatur des Lord Jacques – in der Fassung von Rainer Iwersen daherkommen, seine Stärken spielt dieses „Wie es Euch gefällt“ aus wenn nicht gesprochen wird. Oder nur wenig. In einer düster-komischen Hirschjagdszene, in einem karg-kunstvoll illuminierten Ringkampf zu Beginn. Vor allem aber mit einem simplen Brett, das – mal Tisch, mal multifunktionales Verbundenheitssymbol, mal Geweihhalterung – diverse Male in verlangsamter Slapstickmanier über die Bühne getragen wird. Die verschlungenen Wege des hölzernen Bühnenutensils sind witzig und passen zur geschickten Komödie. Den gut zweieinhalb Theaterstunden aber fehlt es an einer, nun ja: Bestimmung.

Kreiszeitung, Samstag, 18. April 2015. Von Tim Schomacker.


Diese Komödie gefällt!
Mitreißende Shakespeare-Premiere
Mit der Neuinszenierung von William Shakespeares „Wie es Euch gefällt ist“ der Bremer Shakespeare Company eine großartige Liebeserklärung an das Theater gelungen.
Auch wenn die Besucher der fast dreistündigen Inszenierung viel Sitzfleisch beweisen mussten, wurde der Geist ganz und gar nicht beschwert. Eher im Gegenteil, dank dem geistreichen und humorvollen Spiel der zwei Schauspielerinnen und vier Schauspieler, angesprochen – aber nicht überfordert. Die Disziplin, die der Truppe auch die vielen Kostüm und Rollenwechsel abverlangten, sah man ihnen nicht eine Sekunde an. So konnte sich das Publikum einfach nur im Stuhl zurücklehnen und genießen, wenn man nicht gerade vor Lachen drohte, vom Stuhl zu fallen. Denn Regisseur Thomas Weber-Schallauer und die für Bühnenbild und Kostüme verantwortliche Heike Neugebauer hatten sich einige köstliche Bonbons einfallen lassen.
„Wie es Euch gefällt“ ist absolut sehenswert. Außerdem wird es im Rahmen von Shakespeare im Bürgerpark am 15. Juli gezeigt.

Delme-Report, Sonntag, 19. April 2015. Von Britta Suhren.


Kurzkritik
Mit der Neuinszenierung von „Wie es Euch gefällt“ ist der Bremer Shakespeare Company eine großartige Liebeserklärung an das Theater gelungen. Auch wenn die Besucher der fast dreistündigen Inszenierung viel Sitzfleisch beweisen mussten, wurde ihr Geist ganz und gar nicht beschwert. Die zwei Schauspielerinnen und vier Schauspieler boten ein geistreiches und humorvolles Spiel und meisterten auch die vielen Kostüm- und Rollenwechsel professionell. Zur Freude des Publikums hatte sich Regisseur Thomas Weber-Schallauer einige köstliche Bonbons einfallen lassen. Ein sehenswertes Stück.

Weser-Report, Sonntag, 19. April 2015. Von Britta Suhren.