Zum Stück
Text: Emmanuel Darley
Regie: Jean-Marc Bourg
Kostüme: Jean-Marc Bourg, bremer shakespeare company
Mit: Jean-Marc Bourg, Markus Seuß
Inhalt
Regelmäßigen Schrittes geht ein Mann immer geradeaus. Einer Vorhersage
zufolge, die ihm „am Anfang“ gemacht wurde, wird er einen Radfahrer treffen.
Und alles andere wird sich zeigen. Unverdrossen setzt der Mann seine Suche
fort, ohne je Geschwindigkeit oder Richtung zu ändern. Sein Weg führt ihn
schließlich zu der Begegnung eines erstarrten, bewegungslosen Mannes, bei
dem er verweilt. Der regungslose Mann ist ein Ming. Dieser kann sich so
lange nicht bewegen, bis er „das Zeichen“ empfängt. Doch der Wanderer muss
weiter, wenn er die Zeit einholen und den Radfahrer treffen will. Vom Ming
beauftragt, den anderen Mings, denen der Wanderer unterwegs begegnen könnte,
einen Gruß auszurichten, setzt er seinen Weg fort.
Tatsächlich begegnet er einem zweiten und schließlich einem dritten Ming.
Alle sind sie identische Kopien des ersten und ergeben zusammen einen
einzigen Ming. Der Wanderer und Ming befragen sich gegenseitig zu ihren
unterschiedlichen Lebensweisen und lassen zwischen sich eine Art
Freundschaft entstehen. Mit Hilfe von Satzstücken verständigen sie sich, sie
bemühen sich, die Bedeutung des Gesagten zu entschlüsseln. Dadurch erkennen
sie, dass sie sich in ihrer Gefangenheit in ihren jeweiligen Bedingungen
einander ähneln und ahnen eine Art Freiheit.
Jean-Marc Bourgs Inszenierung platziert die Zuschauer im Zentrum des Dialogs
der beiden Männer. „Das Publikum sitzt in den Reihen einander gegenüber.
Rechts und links der Zuschauerreihen befinden sich leere Gänge (…), die
von A mit großen Schritten durchquert werden oder in denen B, lächerlich
erstarrt, verweilt. v. Zu beiden Seiten des Publikums entsteht über seinen
Köpfen ganz allmählich ein Dialog, der nur hin und wieder durch Musik
unterbrochen wird.“ (Jean-Marc Bourg)
Eine deutsch-französische Produktion
Beim Dialog zwischen Ming und dem Wanderer jongliert der Autor Emmanuel
Darley zwischen zwei Arten von Sprache, die zwei gegensätzlichen Universen
entsprechen: die reglose Starre des Mings und die ständige Bewegung des
Wanderers. Aus dem Spiel mit den beiden Sprachen entstand die Idee einer
zweisprachigen Fassung des Stücks, das die Interaktion zwischen den Sprachen
noch deutlicher hervorhebt.
Im Oktober 2008 lud das Institut français Jean-Marc Bourg zu einer
Künstlerresidenz nach Bremen ein, um das Projekt vorzubereiten. Markus Seuß,
Schauspieler der bremer shakespeare company, schloss sich ihm an und so
begannen die beiden Künstler, auf der Grundlage des Textes von Emmanuel
Darley und der Übersetzung von Reinhard Palm, eine deutsch-französische
Version zu erarbeiten. So wird Markus Seuß bei den Aufführungen in Bremen
die Hauptrolle des Wanderers in deutscher Sprache spielen während der
französische Part von Jean-Marc Bourg in der Rolle des Ming gespielt wird.
Die einfache, monotone Sprache Mings, und die ping-pongartig aufeinander
folgenden Repliken, ermöglichen auch denjenigen Zuschauern ein problemloses
Textverständnis, die nicht in der jeweiligen Sprache zuhause sind. Das
Projekt ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Bremer Institut Français, der
bremer shakespeare company, dem Bureau de la danse der französischen
Botschaft und dem Goethe Institut.
