Am 9. September 1966 wurde das erste Gebäude für die Bürgerschaft in Bremen eingeweiht. Es hatte über 10 Jahre heftige Debatten und eine Flut von Leserbriefen ausgelöst. In der Geschichte der Bundesrepublik war der Neubau eines Landesparlaments ein außergewöhnliches Ereignis. Das Haus der Bürgerschaft sei das Bekenntnis Bremens zur parlamentarischen Demokratie – so der damalige Bürgermeister Willy Dehnkamp. Auch die Amtszeit des Präsidenten der Bürgerschaft August Hagedorn war von dem neuen Haus und den Auseinandersetzungen um seine Entstehung geprägt. Er setzte sich leidenschaftlich für den Standort und den klassisch-modernen Entwurf des Berliner Architekten Wassili Luckhardt ein:
„Die Lage dieses Bauwerks im Herzen der Stadt soll zugleich zum Ausdruck bringen, daß die politische Zukunft Bremens, die wesentlich von der Bürgerschaft bestimmt wird, den Zusammenhang wahren muß zu der Tradition unserer Geschichte, die seit Jahrhunderten vornehmlich von diesem Markt aus gelenkt wurde.“
Schon seit 1848 habe es immer wieder Versuche gegeben, ein eigenes Haus für die Bürgerschaft zu errichten. Hagedorn war überzeugt, dass der Markt dieses Bauwerk als selbstverständlichen Teil integrieren werde. Er hoffe auch, „daß das Haus Eingang in die Herzen unserer Mitbürger findet.“ Aber: „Gut Ding will Weile haben“. Architekt Luckhardt bedankte sich bei Hagedorn, der „mir als Architekten vom ersten Tage an die Stange gehalten hat… Es ging um das schwerste Bauvorhaben meines Lebens… Ich hoffe, daß dieser Neubau im Laufe der Zeit von den Bremern angenommen wird.“ (Bremer Nachrichten vom 8. September 1966, S. 3)
Der Präsident des Bundesrats Peter Altmeier sah in dem neuen Parlamentsgebäude das „sichtbare Symbol, daß der alte bremische Geist sich unverfälscht und in immer neuen Taten und Ereignissen bewähre.“
In seiner Festrede hob Architekt Ernst May hervor, dass heute das souveräne Volk, vertreten durch seine gewählten Körperschaften, der Bauherr sei. Das Haus der Bürgerschaft zeige, dass es möglich sei, „einer städtebaulichen Umgebung mittelalterlichen Rahmens kompromißlos einen Bau einzufügen, der den Geist unserer Zeit spiegelt… Jede Stadt erhält die Architektur, den Städtebau, den sie verdient.“
Alle Zitate stammen, sofern nicht anders angegeben, aus Reden auf der Festsitzung der Bürgerschaft am 9. September 1966
Zum Projekt »Aus den Akten auf die Bühne«: Szenische Lesungen bringen Akten zum Sprechen
Historische Akten können eine dröge Angelegenheit sein – doch nicht in der bremer shakespeare company. Die bundesweit einzigartigen Inszenierungen nehmen das Publikum anhand von persönlichen Schicksalen direkt mit in die Stimmungen und Auseinandersetzungen der jeweiligen Zeit. Themen wie Flucht, Migration, Schuld und Versagen, Umgang mit den Verbrechen der NS-Zeit oder Bremer Geschichte(n) erhalten durch die aussagekräftigen Dokumente und das eindrückliche Schauspiel eine erschütternde Nachdrücklichkeit in der Gegenwart.
Seit 2007 verbindet das Projekt Aus den Akten auf die Bühne historische und dramaturgische Arbeit und nimmt damit eine Vorreiterrolle in der Vermittlung von Geschichte mit theatralen Mitteln ein. Die Kooperation entstand auf Initiative der Bremer Historikerin Dr. Eva Schöck-Quinteros und entwickelt jede Lesung in konstruktiver Zusammenarbeit zwischen Studierenden, Mitarbeitenden der Universität Bremen und dem Ensemble der company. Regie und Text liegen bei Peter Lüchinger.
Mehr Infos gibt es hier auf der Website.