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Glücklicherweise sterben wir. Es wäre ja sonst viel zu eng auf dieser Erde, auf keiner Parkbank fände sich noch ein freier Sitzplatz, und Theaterkarten für heute Abend hätte man schon vor Jahrzehnten reservieren müssen. Der Tod schafft Raum für die nächsten und weitere Generationen und ermöglicht so - Verlebendigung! Gardi Hutter, alias Hanna, hat Übung im Sterben. In bisher acht Stücken war sie am Schluss sieben Mal tot. Der Tod des Clowns bringt uns zum und hilft uns, uns mit unserem unabwendbaren eigenen Ende auszusöhnen.

In Gaia Gaudi ist Hanna gleich von Anfang an tot. Das Publikum versteht das sofort, nur Hanna nicht. Von so etwas Unwichtigem lässt sie sich nicht aufhalten. Man sagt, die Seele eines Verstorbenen bleibe noch eine Weile im Raum, und Hannas Seele flattert so unbeeindruckt, dass der Körper sie genervt packt und hinüber bugsiert. Er hört schon das Rumoren der nächsten Generation.
Der Tod ist, wie jeder Schlusspunkt, auch immer ein Anfang, und in diesem Sinne ein Übergang: für Gläubige in eine andere Welt, für Wissenschaftler in einen anderen Zustand, und für Theaterleute in eine andere Phantasie. In Gaia Gaudi geht es um Wurzeln und um Flügel. Um Beständigkeit und Erneuerung und um den großen Strom von Generationen, die das Leben immer weitergeben – und sich ab und zu auch auf die Köpfe hauen.

Da eine Clownerin, eine Sängerin, eine Tänzerin und ein Percussionist diese Geschichte erzählen, ist dieser der Abend voller Überraschungen. So wie das Leben auch. Die Regie hat Michael Vogel geführt, Mitbegründer und langjähriger künstlerischer Leiter von FAMILIE FLÖZ.