Das schrullige Seemannsgarn von »Kuttel Daddeldu«, die herrlich skurrilen »Turngedichte«, die aufmüpfigen Verse im »Kinderverwirrbuch«: der zeitkritische Satiriker Joachim Ringelnatz wurde insbesondere durch seine Nonsens-Lyrik berühmt. Anna Haentjens gibt, begleitet von Sven Selle am Klavier, mit Liedern, Gedichten, Texten und biografisch Erzähltem Einblicke in die Welt des dichtenden Spießbürgerschrecks.
Am 7. August 1883 wurde Joachim Ringelnatz, der eigentlich Hanns Bötticher hieß, im sächsischen Wurzen geboren. Mit sechs Jahren begann er zu dichten und nannte diese auf Schulheftseiten verfassten Verse „Das Zauberbuch“. Doch bevor Joachim Ringelnatz 1919 von dem Dichter Walter Mehring in München entdeckt und nach Berlin an die Kabarettbühne „Schall und Rauch“ geholt wurde, hatte er etliche Berufe ausgeübt. Nach Abschluss der verhassten Schulzeit fuhr er zunächst als Schiffsjunge zur See, absolvierte dann in Hamburg eine kaufmännische Lehre, war Schaubudengehilfe, Kommis in einer Dachpappenfabrik, Schaufensterdekorateur, Bibliothekar, Inhaber eines Tabakwarenladens und im Ersten Weltkrieg Kommandant eines Minensuchbootes. 1909 trug er in der Münchener Künstlerkneipe »Simplicissimus« erstmals seine Verse vor und widmete sich intensiver seinen künstlerischen Talenten. 1933 erteilten die Nationalsozialisten Joachim Ringelnatz Auftrittsverbot und erklärten seine Werke als „unerwünscht“. Im Jahr darauf, am 17. November 1943, verstarb der an Tuberkulose erkrankte Ringelnatz in Berlin.
Berühmt wurde der dichtende, malende, zeichnende und vortragende Matrose mit seiner Nonsens-Lyrik und als zeitkritischer Satiriker. Doch in der Brust des Spießbürgerschrecks schlug ein zutiefst melancholisches Herz. Seine poetischen Purzelbäume schlagend, vagabundierte er auf dem Ozean des Lebens.