Menü

Wer kennt sie nicht, die beiden Knaben Max und Moritz, die ihre Umwelt mit derben Späßen schier zum Verzweifeln brachten?
Seit Erscheinen der Bilderposse im Jahre 1865 hören und lesen kleine und große Leute immer wieder, was sich diese beiden Racker ausdachten, um die Dorfbewohner nach Strich und Faden zu ärgern, wie die gute Witwe Bolte, den Schneidermeister Böck, den Lehrer Lämpel, den gutmütigen Onkel Fritz oder den Dorfbäcker, bis … ja, bis sie an Bauer Mecke geraten, in dessen Getreidesäcke sie zum Vergnügen Löcher schneiden. Der macht kein langes Federlesen, als er die Frechdachse in ihrem Versteck entdeckt. So schleppt er die beiden zur Dorfmühle, in der ihnen „fein geschroten und in Stücken“ das Lachen vergeht. So das grausige Ende dieses literarischen Dauerbrenners.

Die Bilderposse Max und Moritz machte ihren Schöpfer Wilhelm Busch sozusagen über Nacht berühmt und zählt – auch heute noch – zu den auflagenstärksten Kinderbüchern in deutscher Sprache, obwohl die Lausbubenstreiche nicht unumstritten blieben. So äußerte einst ein Kritiker: „Die für den ersten Anblick so harmlos und belustigend erscheinenden Karikaturen sind eins von den gefährlichen Giften, welche die heutige Jugend, wie man überall klagt, so naseweis, unbotmäßig und frivol machen.“ Noch 1929 wurden die Lausbubenstreiche in der Steiermark als Jugend gefährdende Literatur angesehen, die an Jugendliche unter achtzehn Jahren nicht verkauft werden durfte.
Ihren Ursprung fanden die Streiche wohl in dem kleinen Dorf Ebergötzen nahe bei Göttingen, wo der geistige Ziehvater von Max und Moritz eine glückliche Zeit seiner Kindheit verbrachte. Hier hatte er sich mit dem Sohn des Dorfmüllers angefreundet, und diese Freundschaft hielt bis ins hohe Al-ter beider Männer. Immer wieder besuchte Wilhelm Busch den Freund, der selbst Müller geworden war, in dessen Mühle, die heute unter dem Namen Wilhelm-Busch-Mühle als Gedenkstätte und Museum zu besichtigen ist.

Anna Haentjens und Sven Selle haben die Lausbuben Max und Moritz zum Leben erweckt: Singend, spielend und erzählend stellen sie deren Streiche dar, aus denen der Berliner Komponist Manfred Schmitz mit seiner Ver-tonung regelrechte Ohrwürmer machte.

Max und Moritz, diese Knaben, sollen, hör’ ich, Eltern haben. Einen der und eine die, nämlich Scherz und Phantasie.

Wilhelm Busch