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Idyllischer könnte keine Geschichte beginnen als »Das Wintermärchen«: König Leontes von Sizilien und seine schöne Frau Hermione erwarten ihr zweites Kind und ihre innige Liebe wird noch erhöht durch die Anwesenheit ihres aufrichtigen Freundes Polixenes, dem König von Böhmen. Doch urplötzlich, weiß der Himmel wie, befällt Leontes der Eifersuchtswahn: er bezichtigt Hermione der Untreue mit seinem Freund, lässt sie einkerkern und das neugeborene Mädchen auf dem Meer aussetzen. Polixenes flieht vor seinem Zorn und seiner Rache zurück nach Böhmen. In einem Zug hat Leontes alles vernichtet: seine Liebe, seine Ehe, seine Freundschaft, das ganze Land erstarrt unter seiner Schuld und seinem Groll.
Doch das Märchen nimmt eine gute Wendung: das kleine Mädchen - Perdita - ist keineswegs verloren. Sie wird an die Küste Böhmens gespült und wächst als Findelkind bei Schäfern zu einer schönen jungen Frau heran, in die sich der Sohn des Königs Polixenes verliebt. Ihr Lebensabenteuer ist damit noch nicht zuende, denn Polixenes missbilligt die Verbindung. Perdita und ihr Prinz fliehen zurück übers Meer - nach Sizilien, wo König Leontes längst seine Hartherzigkeit bereut und sein verlorenes Lebensglück beweint. In einem wahren Fest der Vergebung und Verzeihung löst sich der Bann von Schuld und Trauer.

Franz Fühmann
Franz Antonia Josef Rudolf Maria Fühmann wurde am 15. Januar 1922 in Rokytnice nad Jizerou (Tschechoslowakei) geboten. Er war ein deutscher Schriftsteller und einer der bedeutendsten Autoren der DDR. Er lebte und wirkte als (Nach-)Erzähler, Essayist, Lyriker und Kinderbuchautor. In seiner Jugend durch den Nationalsozialismus geprägt, wurde er nach dem Krieg Anhänger des Sozialismus. Seit 1952 war er zudem Vorstandsmitglied des Deutschen Schriftstellerverbandes (DSV). Zur Entwicklung der DDR verhielt er sich zunehmend kritisch und war in seinen späten Jahren bitter enttäuscht. Von 1958 bis zu seinem Tode war er freier Schriftsteller. Neben seiner schriftstellerischer Tätigkeit war Fühmann auch kulturpolitisch aktiv. Er förderte viele junge Autoren und setzte sich in späteren Jahren für Autoren ein, die unter Schikanen und Repressionen der DDR-Führung zu leiden hatten. So gehörte er z.B. 1976 zu den Erstunterzeichnern eines Protestbriefes gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann aus der DDR. Er erhielt zahlreiche nationale und internationale Preise. Er starb am 8. Juli 1984 in Ost-Berlin.

Literatur für Kinder und Jugendliche zu schreiben, war Fühmann zeit seines Lebens ein wichtiges Anliegen. Sein erstes Kinderbuch verfasste er auf Wunsch seiner Tochter Barbara. Später folgten weitere Bücher, unter anderem Märchen, Kasperlstücke, Bücher, die sich mit Sprache beschäftigten und damit spielten (Lustiges Tier-ABC, Die dampfenden Hälse der Pferde im Turm von Babel), und etliche Nacherzählungen von klassischen literarischen Stoffen und Sagen (Reineke Fuchs, Das Hölzerne Pferd - Ilias und Odyssee, Prometheus. Die Titanenschlacht, Das Nibelungenlied). Zu diesen Werken gehören auch die Shakespeare-Märchen Ein Sommernachtstraum, Das Wintermärchen, Perikles und Der Sturm. Fühmann hat jene Stück des großen Elisabethaners ausgewählt, die in machen Werkverzeichnissen als seine Romanzen bezeichnet werden - Dramen, in denen tragische oder komödiantische Elemente mit teilweise epischen Erzählsträngen und märchenhaft-fantastischen Wendungen eine dramatische Verbindung eingehen.

Will, erzähl mir eine Geschichte - Das Wintermärchen