Zum Stück
MENSCH GRASS – EIN SPIEL
Anlässlich des 100. Geburtstags von Günter Grass präsentiert die bremer shakespeare company die Uraufführung eines vielstimmigen, multimedialen Theaterereignisses nach Motiven und Bildwelten des Literaturnobelpreisträgers. Zwischen Musik, Tanz, Groteske und Fantastik entfaltet sich eine eindrucksvolle Reise durch die Brüche der deutschen Geschichte und die Fragen nach Schuld, Erinnerung und Menschlichkeit.
Regisseur und Autor Pit Holzwarth, der zwölf Jahre Mitglied der bremer shakespeare company war, kehrt für die Produktion nach Bremen zurück. Die Uraufführung wird als Beitrag zur internationalen Veranstaltungsreihe Grass100 anlässlich des 100. Geburtstag des Autors von der Günter Grass Stiftung Bremen initiiert und gefördert. Weitere Informationen finden Sie auf der übergreifenden Website Grass100.
Die bremer shakespeare company kooperiert in diesem Kontext mit dem Teatr Wybrzeże in Danzig/Gdańsk, dem Theaterfestival deutscher Sprache in Prag und der Theaterfakultät der Akademie der Musischen Künste in Prag DAMU.
Zum Stück
Zwischen Tanz, Musik und ins Groteske überzeichneten Mensch- und Tierfiguren – Ratten, Hunde, Katzen und Flundern – entfaltet sich eine bildgewaltige Reise durch den „verwundeten Kopf“ eines Menschen der im blutigen Labyrinth der Geschichte nach Orientierung und sich selbst sucht.
Günter Grass‘ Werk setzt sich bis in die feinsten Verästelungen mit den Deformationen des Menschen durch Ideologie und Folgen der Naziherrschaft auseinander. Kriegserfahrung, Entmenschlichung, Verlust der Heimat und die Auseinandersetzung mit der eigenen Manipulierbarkeit und der nicht abzutragenden Schuld waren für den Literaturnobelpreisträger lebenslang Antrieb seines Wirkens.
Das Stück folgt Grass’ Ästhetik der Gleichzeitigkeit von Zeiten, Stimmen und Perspektiven. Groteske, Fantastik und Vielstimmigkeit erweitern kaum erträgliche Realitäten zur Wahrhaftigkeit und schaffen einen verstörenden, aber ebenso befreienden, wie komischen Blick auf die deutsche Geschichte.
Angesichts aktueller Kriege, politischer und religiöser Radikalisierung sowie weltweiter Flucht- und Migrationsbewegungen erscheint das Werk von Günter Grass heute von überraschender Aktualität. Wunden, die sich nicht mehr schließen stellt sich dieser Aktualität und macht sie zum Ausgangspunkt eines hinreißend bildstarken, musikalischen und vielstimmigen Theaterereignisses.
Zum Regisseur
Pit Holzwarth war zwölf Jahre Mitglied der bremer shakespeare company und von 2007 bis 2022 Schauspieldirektor am Theater Lübeck. Heute ist er als freier Autor und Regisseur tätig. Seine Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet und feierten große Publikumserfolge, darunter »Die Erfindung der Freiheit«, Shakespeares »Die lustigen Weiber von Windsor« sowie Musiktheaterproduktionen über die Comedian Harmonists, Rio Reiser, Patti Smith und Edith Piaf.